Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
RAUB DER BRÄUTE IN EINEM GEMÄLD

Neues historisches Gemälde im Ferdinandeum: Der Raub der venetianischen Bräute durch corsische Piraten

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. April 1860 · Seite 4
Im Ferdinandeum ist ein großes historisches Gemälde vom vaterländischen Künstler Carl Blaas zur Ausstellung angelangt. Dasselbe hat den „ Raub der venetianischen Bräute " zum Gegenstand. Es bestand nämlich in der ersten Zeit der venetianischen Republik die Sitte, daß die Vermählungs- Feierlichkeiten alle am gleichen Tage, und zwar am Fest Maria Reinigung vollzogen wurden. Im Jahr 944 wurde nun deses Fest auf eine höchst tragische Weise unterbrochen. Eine Bande wilder Corsaren aus der Gegend von Dalmatten, gierig nach den reichen Schmucksachen und kostbaren Hochzeits- Geschenken, die an diesem Tage ausgetauscht zu werden pflegten, hatte sich schon während der Nacht heimlich den Lagunen genähert und überfielen nun, als eben das Fest begonnen hatte, die Stadt. Da im Augenblick kein Widerstand möglich war, so konnten sie sich nicht nur der kostbaren Geschenke bemächtigen, sondern schleppten auch viele der Braute gewaltsam auf ihren Schiffen mit sich fort. Soweit der Gegenstand des Gemäldes. Aus der Geschichte wissen wir, daß der Doge Candiano III., als er das Attentat erfuhr, sogleich Schiffe vereinigte, die Piraten an der Küste von Friaul einholte, die Bräute befreite und an den Räubern blutige Rache übte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. April 1860, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/835-neues-historisches-gemaelde-im-ferdinandeum-der-raub-der-1860).

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