Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAUWUT – AUSGENOMMEN DER TURM

Fortschritte im Baugewerbe und Vergrößerung der St. Nikolaus-Pfarrkirche

1273 aufgeführte Haus des Herrn A. Neuhauser am obern Stadtplatz. Das kolossale Eckhaus des Herrn Baumeisters Mayr am Margarethenplatz wird nächsten Monat unter Dach kommen; die übrigen, nämlich das neue Angerzellhaus und Herrn Klaisner ' s Eckhaus an der Musiums - Straße sind bis zur Höhe des zweiten und in der Meinhardstraße die beiden Häuser der Herren Gebrüder Hutter bis zur ersten Stockhöhe gediehen. Gleichzeitig werden in den Hofräumen zweier Häuser in der Neustadt neue Stöcklbauten aufgeführt. Die Arkaden des neuen städt. Friedhofes werden in diesem Jahre noch ebenfalls ganz vollendet. In der Vorstadt St. Nikolaus wurde das kleine, nördlich von der Kirche gestandene Haus abgebrochen, das dortige hügelige Terrain an dieser Seite der Kirche wird geebnet und so ein geeigneter Bauplatz für eine wegen zunehmender Bevölkerung in diesem Pfarrbezirke nicht lange mehr verschiebbare Vergrößerung der St. Nikolaus - Pfarrkirche gewonnen. Schließlich erlauben wir uns die Bemerkung, daß es mit dem Neubau des Kirckthurms zu Drei - Heiligen dermal eben keine große Eile zu haben scheint — wogegen wir mit Vergnügen zu berichten haben, daß ( endlich! —) die dem Eisenbahn- Viadukt so nahe zur Seite stehende, bisher an den Abbruch des vorm. Kuen ' schen Hauses so unzweideutig erinnernde zwei Stock hohe Wand am Hause des Dreiheiligen - Bäckers einen neuen Dachgiebel und Verwurf erhält, also künftig diesen Stadttheil nicht mehr verunziert. Bei diesem Anlasse mag auch anerkannt werden, daß der Besitzer des Bräuhauses am UrsuliuergrabkN, Herr Franz Tschurtschenthaler, mrt namhaften Geldopfern die verschiedenartigen Verkaufsläden, die an sein Haus gränzten, angekauft bat und zur Verschönerung des dortigen Platzes wesentlichst beiträgt, indem er solche sämmtlich demoliren ließ und nach einem einheitlichen Plane mit Geschmack neu auffübren läßt. Diesem Beispiele gegenüber möge es erlaubt sein, die wenigen Herren Hausbesitzer der Judengasse wiederholt daran zu erinnern, wie es nur eines verhältnißmäßig geringen Geldopfers bedürfte, um die den Ursul nergraben passirenden vielen Einheimischen und Fremden etwa durch eine Maskirung der diesen Theil der Altstadt so auffällig entstellenden vorspringenden s. v. Aborte mit Schein - Jalousien für immer von diesem unästhetischen Anblicke zu befreien.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. Juni 1860, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/848-fortschritte-im-baugewerbe-und-vergroesserung-der-st-nikolaus-1860).

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