wählten ihn zu ihrem Leutnant, und so marschierte er, der herzige Knirps, eines Tages an der Spitze der bärtigen Männer s. iner Kompagnie durch die Stadt an der Hofburg vorbei, von deren Söller die Glieder der kai ferlichen Familie unter den donnernden Vivats, die von der Straße zu ihnen hinaustönten, ihn zuwinkend begrüßten. Kaiser Ferdinand machte in Begleitung seiner Kavaliere seinen täglichen Spaziergang durch die Straßen der Stadt auf dem „Rennweg " nach Mühlau oder am „ Goldenen Dachl " vorbei durch die „ Lauben " und die Neustadt nach Wiltau, wobei seitens des Gouverneurs die Vorsorge getroffen war, daß ihm stets in einiger Entfernung zwei jüngere Herren folgten, um Zudringlichkeiten, besonders von Bettlern, abzuhalten. Auch Spazierfahrten liebte er meist in Begleitung des erzherzoglichen Paares. So fuhr man einmal auf ben schlachtenberühmten Berg Jsel, wo die treuherzige „RegimentsmuLLer ", von den Kaiserj ' igern so benannt, eine Wirtschaft unterhielt. Sie begrüßte die kaiserliche Familie in schlichter Weise: „ Nu gottlob. Kaiserliche Hoheiten, daß S ' nur da sein, hier Lut Ihne kä Mensch was, und a gesunde Lust hab ' n wir auch; ' s Wetter wird wieder schön werden und, wenn ' s ruhig, dann wird alles wieder gut! " Die Erzherzogin ergriff beide Hände der drallen NegimentsmuLter und sagte, die Augen voll Wasser: „ Wir haben viel ausgestan den, gute Frau. " Dicke Tränen rollten über die dicken Wangen der dicken Wirtin, die ihr Leben lang diesen ergreifenden Auftritt nicht vergessen konnte. Die Erzherzogin Sophie unternahm in der schönen Zeit, die das, ,gesegnete " Jahr 1848 den Tollheiten der Menschen allenthalben entgegenhielt, häufige Fahrten auf die schönen Höher:, die zu beiden Seiten der Hauptstadt stufenförmig gegen das Hochgebirge aufsteigen, bedeckt mit anmutigen Dörfern, mit fruchtbaren Ackern und Wiesen und lauschigen Wäldern. Oben wurden die Kutschen verlassen, und die Erzherzogin und die sie begleitenden Damen durchwanderten auf Feldwegen die reizende Gegend, während sie die Prinzen ihrer jugendlichen Ungebundenheit in Gottes freier Natur überließ, und diese nur, wenn sie es gar zu toll trieben, zur Strafe nach Hause schickte. Eines Tages machte Gra, Enzenberg der Erzherzogin den Vorschlag einer „kleinen Fußpartie ", deren Einzelheiten er ihr verlockend beschrieb. Gras Franz Josef Enzenberg, k. k. Kämmerer, einer der ersten Kavaliere des Landes, auch geschätzt als verständnisvoller Sammler von Gegenständen der Kunst und des Altertums, war beliebt bei Hofe, und die Erzherzogin ging mit Vergnügen aus seinen Vorschlag ein. Mit frischem Mut wurde die Wanderung angetreten. Aber nun ging es bergauf und talab, immer weiter und weiter, stundenlang, ehe Enzerrberg an den Heimweg dachte, so daß die Erzherzogin und ihre Begleiterin, müde zum Umsinlen, sturrrpf für alle weiteren Schönheiten der Gegend, die sie durchwanderten, mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte sich weiterschleppend, endlich die Hofburg erreichten und sich verschwuren, nie einen Vorschlag des Grafen Enzenberg ^ zu einer „ kleinen Fußpartie " anzuuehmen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. Dezember 1908, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8498-kaiserliche-spaziergaenge-und-wanderungen-in-den-wiener-vororten-1908).
Aus Phi lade Lp hi a ( Amerika) schreibt man uns unterm 12. d. Mts.: Heute abend hielt der Tiroler - Klub hier seine sehr gut besuchte Generalversammlung ab. Jü derselben sprach Herr Josef Guern eingehend über die Zwecke …
(ErHerzog Eugen in Steinach.) Von dort wird uns unterm 8. ds. M. geschrieben: Heute nachmittags kam trotz der sehr mißlichen Wegverhältnisse ganz unerwartet Seine kaiserl. Hoheit Herr Erzherzog Eugen in Begleitung des He …
Innsbrucker Nachrichten Ans Stadt und Land. (Herr Erzherzog Eugen) besuchte gestern mit dem derzeit in Innsbruck weitenden Kanzler des deutschen Ritterordens, dem Hochund Deutschmeisterischen Hofrate Edlen von Weittenhil …
(Der Thronfolger in Schwaz.) Aus Schwaz teilt man uns unterm 4. d. Mts. mit: Heute früh 8 Uhr kam Erzherzog Franz Ferdinand d ' Este in Begleitung des k. k. Universitäts - Professors Hofrates Dr. Ritter v. Wieser hier an …
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