Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MEISTERGEIST GEGEN 37 GEGNER

Festabend zum fünfjährigen Jubiläum des Innsbrucker Schachklubs mit Simultanvorstellung

Ehre seinem Andenken. (Das fünfjährige Bestandsjubiläum des „ Innsbrucker Schach k lu b § ") wurde gestern abend im Cafe „ Central " durch einen Festabend mit einer Simultan - Vorstellung gefeiert, wozu sich 37 Schachspieler und etwa doppelt so viele Zusehen eingefunden hatten. Nach einer Begrüßung durch den Klubobmann Tr. Max Kaps er er ergriff der Obmannstellvertreter Forstbeawter Walther F l i r das Wort zum Festvortrag über den Wert und die Geschichte des königlichen Spieles und des Innsbrucker Schachklubs und schloß mit der Aufforderung, mit dem Schachmeister Robert Spiel mann aus München den Kampf zu beginnen. Tann begann die Simultanvorstellung. Auf den in Hufeisenform ausgestellten Tischen waren die Schachbretter vorbereitet, an denen die 37 angemeldeten Spieler Platz nahmen. Ter Schachmeister, ein geborner Wiener im Alter von 24 Jahren, der schon fast allen großen Meistern standzuhcrlten vermochte, ging innerhalb der Tische von einem zum andern, um bei jedem seinen Schachzug zu machen; die Spieler dursten erst in Gegenwart des Meisters ziehen, hatten also durchschnittlich 10 bis 15 Minuten Zeit zur Überlegung, während Spielmann fast durchwegs spontan zog. Gespielt wurde nach den Turnierregeln des deutschen Schachibundes, dem auch der Innsbrucker Schachklub angehiört. Das Spiel begann nur 8 Uhr 40 Minuten und endete um 1 Uhr 15 Minuten mit folgendem Resultat: Von den 37 Spielern gewannen 8 und zwar: Tr. Paul Eder, Rechtsanwalt, Walther Flir, Jurist, Josef Frank, Redakteur Huber, Dr. Max Kapferer, Wois Konrad, Mm in Thaur, Dr. I. W. Mitter, Arzt M Hglwxlsakademiker Roman Trafojer; re- Misiert haben: Kaufmann Frankl, StawM bahnrevident Emil Heinzle, Mediziner Kcttlj Mayr und Alois Prem. Somit gewann Herr; Spielmann von 37 Partten 25. Man muW dabei bedenken, welche geistige Mstrengung bedeutet, rasch jedes Schachbrett zu überblicke^ und in der Stunde etwa 300 Schachzüge Mi machen, zum Teil sogar gegen sehr Spieler; die vorgenannten Gewinner gehören" zu den besten Spielern des Klubs. Aus diesem Schachkampf war zu ersehen, daß sich das schachliche Niveau in Innsbruck in den letzten Jahren sehr gehoben hat, wozu die regelmäßigen Spielabende am Montag, Donners » j tag und Samstag im Caft „ Central " sehr viel beigetragen haben.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. Februar 1909, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8525-festabend-zum-fuenfjaehrigen-jubilaeum-des-innsbrucker-schachklubs-1909).

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