Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FLÜSSIGE LUFT ALS SPRENGKRAFT

Vortrag über flüssige Luft als Sprengmittel im Technischen Klub

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 10. März 1910 · Seite 7 · #Erfindungen und Technik
Flüssige Luft als Sprengmittel. Montag den 7. ds. M. hielt Herr Tr. Fritz Linde aus München im Kreise des „ Technischen Klubs " im Klublokale Hotel „ Stadt München " einen Vortrag über „ Flüssige Luft als Sprengmittel ". Ter Vortragende führte ungefähr folgendes aus: Für jede Substanz gibt eine bestimmte Temperatur die sogenannte kritische Temperatur, oberhalb welcher die Substanz auch durch die .Anwendung beliebig hohen Druckes nicht verflüssigt werden kann. Diese kritische Temperatur liegt für die atm. Luft bei ungefähr « — 140 Grad. Die Erreichung so tiefer Temperaturen war bis zum Jahre 1895 eine der schwierigsten Aufgaben der Physik. Den österr. Professoren Wroblewski u. Obzewski in Krakau gelang es im Jahre 1883 zum erstenmale, Sauerstoff, Stickstoff und auch atm. Lust zu verflüssigen, während vorher nur ein französischer und ein Schweizer Gelehrter, Cailletet und Pictet im Jahre 1877 eine Nebelbildung bei diesen Gasen konstatiert hatten. Das Verfahren war mühevoll und äußerst kompliziert und für technische Zwecke ungeeignet. Im Jahre 1695 gelang es dem Vater des Vortragenden, dem Geheimrat Dr. Linde, eine einfache Methode der Luftverflüssigung zu finden, die es ermöglichte, Luft, Sauerstoff und Stickstoff in großen Mengen in flüssiger Form darzustellen. Der Vortragende ging nach Aufzählung der verschiedenen Verwendungsarten von verslüssig- 1er Luft, Sauerstoff und Stickstoff, aus das eigentliche Thema ein. Die ersten Versuche, aus sauerstvsfreicher flüssiger Lust und brennbaren Substanzen Sprengstoff herzustellen, wurden im Jahre 1897 angestellt. Zunächst wurde mit Mischungen von Holzkohlenpulver mit flüssiger Luft experimentiert. Eine solche Mischung verhält sich ähnlich wie Schießbaumwolle. Freiliegend angezündet, verbrennt sie mit großer Heftigkeit, aber ohne Explosion.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. März 1910, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8692-vortrag-ueber-fluessige-luft-als-sprengmittel-im-technischen-klub-1910).

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