(Zum Umbau im Haller Rathause.) Man schreibt uns aus Hall: Wie schon kurz berichtet, hat der Bürgermeister von 5) all die Absicht, die im zweiten Stockwerke des Rathauses bestehende, historisch denkwürdige Pelzbühne in Kanzleien umzuwandeln. Dieser saalartige Raum von 120 Quadratmetern Bodenfläche diente ehemals als Marktraum, sowie als Fest urtd Tanzsaal und wiederholt beteiligten sich ' die tirolischen Landesfürsten mit ihren Frauen dort an Festmähler: und Tänzen. Tie städtischen Raitbücher wissen eine Reihe von Festen aufzuzählen, die teils von den Landesfürsten der Bürgerschaft gegeben und teils vom Rate zu Ehren der Landesfürsten und anderer fürstlicher Besuche veranstaltet wurden. Herzog Friedrich und Sigmund waren ständige Gäste in Hall; auch Kaiser Mlax und Erzherzog Ferdinand nahmen wiederholt an solchen Festlichkeiten teil. Aber nicht bloß Gastmähler und Tanzfeste mit anderen Lustbarkeiten fanden in diesem Saale statt, sondern auch! die Tiroler Landstände tagten in demselben zu wiederholtenmalen; so Anno 1486, 1530 und 1535 usw. Es kann also wohl von einem historisch ' denkwürdigen Saale gesprochen werden. Im Jahre 1612 wurde der geschmackvoll getäfelte Saal renoviert und mit hübschen Fresken, Jagdund Tanzszenen darstellend, geschmückt, an den Wänden und an der Decke aber wurden prächtige schmiedeeiserne Kerzenhalter und Leuchter angebracht. Im Jahre 1472 hielten in diesem Saale zum Gallimarkte zum ersten Male die Kürschner ihre Pelzwaren seil, und hiefür diente er öfters zur Aufbewahrung von solchen; daher auch die Bezeichnung „ Pelzbühne ", die sich bis heute im Volksmunde erhalten hat. Auch in späterer Zeit haben sich im Haller Rathause manche denkwürdige Ereignisse abgespielt, wenn auch die Gastereien und Tanzfeste längst verklungen waren. Der Saal wurde vernachlässigt, Getäfel und Decke entfernt, und er diente hiefür nur mehr als Warendepotraum, als Rumpelkammer und in letzter Zeit als Ausstellungshalle. Und nun soll er durch den geplanten Umbau gänzlich verschwinden, wodurch natürlich auch eine unschöne Änderung der Außenfassade des allehrwürdigen Rathauses verbunden wäre. Jeder ehrlich denkende All - Haller schüttelt unwirsch den Kopf ob eines solchen Vandalismus in einer Zeit, in der man für Heimatschutz schwärmt und fortgesetzt für die Erhaltung des Althergebrachten predigt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Juni 1910, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8741-umbau-der-historischen-pelzbuehne-im-haller-rathause-zu-kanzleien-1910).
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