Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
EHRGEIZ ODER EHRE? DER LETZTE ÖSTERREICHISCHE OFFIZIERSMÖRDER

Vermuthetes Todesurtheil gegen Hofrichter – Letzte Hinrichtung eines österreichischen Offiziers vor einem Vierteljahrhundert in Temesvar

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 8. Juni 1910 · Seite 18
Aus aller Welt. (Die letzte Hinrichtung eines österreichischen Offiziers.) Obgleich die sieben Männer, die im Prozesse Hofrichter das Urteil. fällten, geschworen haben, unverbrüchliches! Schweigen zu beobachten, und außer diesen Richtern niemand bei der Urteilsfällung zugegen war, wird trotzdem in der Offentlich. keit mit aller Sicherheit angenommen, daß Hofrichter zum Tode durch! den Strang verurteilt worden ist. Allerdings erhalten sich in hohen militärjuristischen Kreisen hartnäckig die Ansichten, daß der Giftmörder begnadigt werden ' wird, und zwar auf die besonderen Wünsche des Kaisers und des Erzherzog - Thronfolgers, die allerdings nicht selbst das Begnadigungsrecht nach der Militärjudikatur ausüben, aber den österreichischen Offiziersstand vor der Schmach daß einer der Ihrigen schimpflich hingerichtet werde, bewahren wollen. Genau ein Vierteljahrhundert ist es her, daß zuletzt ein österreichischer Offizier den Tod durch den Strang erlitt. Ilm Jahve 1885 wurde der Honvedleutnant Julius Farkas gehängt, und Kvar vollzog sich diese Hinrichtung in Temesvar. Farkas hatte seinen eigenen Hauptmann erschossen, allerdings waren die Mbtive seiner Tat keine unedlen; denn nicht etwa krankhafter Ehrgeiz, wie bei Hosrichter, war der Grund für den Mord, sondern Farkas wollte seine Ehre als betrogener Gatte rächen. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß fein Hauptmann mit seiner Frau ein Liebesverhältnis unterhalte, und nachdem er sich Beweise davon verschafft, lauerte er dem Hauptmann am Ausgange der Kaserne aus und streckte ihn mit zwei Revolverschüssen nieder.! Er hatte den Mord ganz bewußt und absichtlich begangen und dachte auch gar nicht darauf sich der Gerechtigkeit zu entziehen, sondern stellte sich sogleich den Militärbehörden. Die Affäre, die möglichst geheim gehalten wurde, erregte
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. Juni 1910, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8745-vermuthetes-todesurtheil-gegen-hofrichter-letzte-hinrichtung-eines-1910).

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