Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KALTE FLÜSSE UND WARMER STREIT

Die Geschichte des kalten Bades und die damaligen Badeverbote in verschiedenen Städten

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 20. Juni 1910 · Seite 2
April 1907 betreffend den Verkehr! mit Wein, Weinmost und Weinmaische, in Kraft Illach druS vereoren.) Nus der Geschichte des Schwimmens und Badens. Schon die alten Germanen suchten in den Tagen sommerlicher Hitze Kühlung in den Fluten der Flüsse, wo sie sich nach Herzenslust schwimmend umhertummelten. Man kann den römischen Schriftsiellern, die verschiedene germanische Stämme als besonders gute Schwimmer kennzeichnen, vollen Glauben schenken. Und von der Germanenzeit an bis heute galt das Baden und Schwimmen in den Flüssen jederzeit ohne Unterbrechung als Hochgenuß; ja das Schwimmen gehörte sogar zu den sieben ritterlichen Künsten. Trotzdem hat lange Zeit hindurch ein Kampf um das kalte Baden und Schwimmen geherrscht, der vor kaum einem Jahrhundert zugunsten des kalten Bades entschieden worden ist. Im Jahre 1559 erhebt z. B. Georg Pictorius, Stadtarzt zu Ensisheim im Elsaß, seine Stimme gegen das Flußbaden und erklärt, „ das nit hochuerstendig so im summer die jugent im kalten Wasser badet. Dann je so find ich geschriben, und zeigt es auch, gemeiner verstand an, daz actualis frigidatis, das ist des Wassers kalte wäsentlichkeit, die poros verschließt. " Gerade die Verbote a & e r die um diese Zeit und später gegen das kalte Baden gerichtet wurden, beweisen, wie beliebt es, namentlich bei ' der Jugend war; meistens war der Anlaß zu ' solchen Verboten nur die Furcht vor dem Ertrinken. In der Schulordnung des Hamburger Johanneums aus dem Jahre 1537 wird das Kaltbaden verboten und zwar lateinisch: „Qui — se aquis committunt — poena s graves dabunt, d. h. in der damaligen Sprache Hamburgs: „ de an dat Water gehn unde sick baden unde schwemmen gelyck alse de Göse edder de Entechen, schälen schwehrlicken gestraffet werden. " Ähnliche Verbote sind aus vielen anderen Orten bekannt. In Würzburg wurde z. B. im Jahre 1504 von der Kanzel herab ein Badeverbot erlassen; aus Wien sind Badeverbote aus den Jahren 1633, 1643 und 1711 bekannt. Sehr ausführliche Nachrichten über das Badewesen sind aus Zürich bekannt. Man weiß,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Juni 1910, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8747-die-geschichte-des-kalten-bades-und-die-damaligen-badeverbote-in-1910).

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