Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MIT MENSCHLICHKEIT GEGEN DEN ZWANG

34 Jahre nach dem Tode des verdienten Haller Irrenarztes Dr. Stolz

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. Februar 1911 · Seite 6
Aus Stadr und Land. (Zur Erinnerung an einen verdiente n t: rolischen Psychiater.) Man schreibt uns: Am 8. Februar sind 34 Jahre seit dem Tode des Direktors der Landesirrenanstalt Hall, Dr. Josef Stolz, verstrichen. Die Erinnerung an diesen hochverdienten Arzt und Psychiater hat in neuester Zeit Prof. Dr. Pilcz in einen: Aussätze in der Zeitschrift „ Die Kultur " ( XI. Jahrgang, 1910), S. 421 durch die nachfolgende Bemerkung, die wir den Lesern unserer Zeitung nicht vorenthalten wollen, nneder wachgerufen. „Und als von England her in den fünfziger Jahren durch Conolly ( 1839 — 1844 Direktor der Irrenanstalt Hauwett) jene große segensreiche Revolution auf dem Gebiete der Jrrenbehandlung, das sogen. „ nc - 68tra1nt " - System ( Behandlung ohne äußerlichen, mechanischen Zwang, der in mannigfacher, mitunter geradezu grausamer Weise fca der Behandlung der Geisteskranke:: in Anwendung gebracht wurde) ihren Lauf nahm und den von Chiaruggi und Pinel arlgebahnten Reformen zum Siege verhaft, da waren es > wieder österreichische Irrenanstalten (so vor allen die kleine Anstalt in Hall in Tirol unter Stolz), welche begeistert die neuen Ideen aüfnahmen und zur erfolgreichen Durchführung brachten. " Wie sehr würde sich der verdiente Warm, der in seinem Leben mit äußeren Ehren und Anerkennungen seiner segensreichen Tätigkeit nur sehr kärglich bedacht Vorder: ist, über die Anerkennung seiner psychiatrischen Tätigkeit von so berufener Seite freuen! Es sei bei diesem Anlässe noch ausdrücklich hervorgehvben, daß Äolz die Reformen, welche er in der Irrem änstalt allmählich zur Durchführung brachte, in Mer im 25. Barche der Zeitschrift für Psychiatrie ( 1868) unter dem Titel: „ Mechanischer Zwang bei der Behandlung der Geisteskranken Und die allwählige Beseitigung desselben in der Irrenanstalt zu Hall in Tirol " erschienenen Abhandlung in anschaulicher und belehrender Weise dargestellt hat. Eine kurze Darstellung des Entwicklungsprozesses von Stolz ' psychiatrischer Tätigkeit, die der ebenzitierten Abhandlung entnommen ist, bietet auch der im „ Boten für Tirol und Vorarlberg " 1878, Nr. 32, erschienene Nekrolog, in welchem richtig hervorgehoben ist, „ daß Dr. Stolz irr Deutschland nrch Österreich jedenfalls einer der ersten war, die sich mit Entschiedenheit dem Systeme des „non restraint " zuwandten ". xyz.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Februar 1911, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8845-34-jahre-nach-dem-tode-des-verdienten-haller-irrenarztes-dr-stolz-1911).

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