Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ERDA KOMMT – ABER ZU SPÄT

Erfolgreiche Premiere der Nibelungen in Innsbruck mit hervorragender musikalischer Leistung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. April 1911 · Seite 8
In einem großen symphonischen Strom gelangen dann die motivischen Grundformen in sinnvolle Beziehung zu einander und überzeugen in charakteristischen Umgestaltungen in einer musikalisch überaus beredten Sprache Die gestrige, in Innsbruck erstmalige Aufführung stellte sich als gelungener Versuch dar, den ersten Teil des Nibelungendramas auf unserer Bühne darzustellen. Der musikalische Teil war, von kleinen Unstimmigkeiten abgesehen, prächtig herausgebracht, dank der überaus sicheren und umsichtigen Führung durch den hochverdienten Kapellmeister Herrn Grimm. Das Orchester hatte enorrne Schwierigkeiten zu überwinden und wurde seiner großen Ausgnbe durchaus gerecht. Ein vollauf befriedigender Vertreter des Wotan war Herr Hahn, dessen gesangliche Fähigkeiten zur Geltung kamen und Wertschätzung verdiente::. Den Loge sang Herr Otto sehr zu Gefallen; schade, daß er im Spiel durch seinen Unfall von neulich noch immer behindert ist. Die beiden übrigen Götter Donner nnd Froh waren bei den Herren Krüger und Arnold gut vertreten. Die aufreizenden Gestalten der beiden Riesen Fasolt und Fafner wurden von den Herren West und Bassin in jeder Weise gelungen gegeben. Tie Partie des Alberich, eine der schwersten des ganzen Ringes, war bei Herrn Kren hin guten Händen. Seine große musikalische Sicherheit, sowie seine Bühnenroutine kamen ihm dabei sehr zu statten. Daß er schauspielerisch glänzend mar, verdient ' noch besondere Erwahnmdg. Der Mime wurde von Herrn Werner charakteristisch gebracht. Frl. Singer als Fricka konnte nicht immer durchdringen; sie schien nicht besonders disponiert gewesen zu sein. Auch Frl. Ne ha mm er kam in der wohl kleinen Partie der Freia wenig zur Geltung. Die Göttin Erda, von Frl. G a e h d e gesungen, war zu spät erschienen, so daß es der ganzen Umsicht pes Kapellmeisters bedurfte, um eine Entgleisung zu verhüten. Sehr hübsch und rein sangen in schönstem Wohllaut die drei Rheintöchter, Frl. Ney als Woglinde, Frl. Gaehde als Floßhilde und Frl. Günther als Wellgun de. Für den szenischen Teil wurde teilweise eine neue Ausstattung besorgt, die sich vollauf bewährte. Ganz überraschend gelungen war die Rheintöchterszene. Der neue - Vorhang täuschte die schönsten Wellenbewegungen vor. Auch die Schwimmvorrichtungen für die Rheintöchter taten gute Dienste. Ein prächtiges Bild in stimmungsvoller Beleuchtung bot auch die Szene im Niebelheim. Mit den primitiven technischen Hilfsmitteln unserer Bühne war die mißglückte Verwandlung Alberichs wohl nicht besser zu machen; auch die Erscheinung des Wurmes war illusionsstörend. Um die trotz alledem fiir unsere Verhältnisse gelungene Inszenierung hatte
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. April 1911, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8878-erfolgreiche-premiere-der-nibelungen-in-innsbruck-mit-1911).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Literatur, Theater & Musik“

ENSEMBLE DER MONATSOPER BEZAUBERT MIT STIMMEN UND STIL

Eindrucksvolle Aufführung der 'Meistersinger' durch das Neuburger Stadttheater in Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · 18. April 1911 · S. 6 · Literatur, Theater & Musik

Mit der Aufführung der / ,Meistersinger " bemn am Ostersonntag das Ensemble ^ des Neuburger Stadttheaters unter Direktor Johanns Maurach an unserem Sladttheater ein einonatliches Gastspiel. Die im Ganzen trefflich lungen …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |