der Tiroler Ballonfahrer in Italien. Die in Italien ebenso wie in Frankreich grassierende Spionagefurcht, hat die Insassen des am Donnerstag 3 / 4 1 Uhr früh aufgestiegenen und nach Italien verschlagenen Ballons „Tirol " in eine recht unangenehme und unerquickliche Situation gebracht, welche nahezu eine diplomatische Aktion erforderlich machen würde. Der italienische Konsul in Innsbruck, der aus eigener Anschauung und ' Erfahrung weih, daß die Ballonfahrer nur eine harmlose Bergnügungsluftschiffahrt machen wollten und keine Absicht haben, die schönsten Geheimnisse des nervösen Königreiches auszuspionieren, hat bereits an seine Regierung einen eingehenden Bericht abgesandt. Zu den von uns gesternt gemeldeten Nachrichten über das Malheur, das den Innsbruckern passiert ist, liegen uns heute noch folgende Einzelnheiten vor, deren eine erkennen läßt, daß zwei der verhafteten sich schon auf freiem Fuße befinden dürften. Wie uns weiter mitgeteilt wird, ist hier heute nachts ein Telegramm aus Udine eingelangt, worin es heißt, daß das Ministerium noch auf ' die Antwort des hiesigen italienischen Konsuls betreffend die Identität der Verhafteten warte. Demnach sind die letzteren derzeit noch immer „Gäste der Carabinieri ". Der Luftschiffahrtverein antwortete sofort, daß der hiesige Konsul sich der Sache bereits sehr warm angenommen und schon gestern mittags ein langes Telegramm an das italienische Ministerium des Äußern gesendet habe Die Antwort hierauf steht noch aus. Über Wien wurde uns telegraphiert: über die in der Provinz Udine verhafteten österreichischen Lustschiffer liegen folgende Nachrichten vor: Kais. Rat Fritz Heigl und Oberleutnant ' v. Sarlay erklären, es sei nicht ihre Absicht ' gewesen, über italienisches Gebiet zu fliegen, der Wind hätte sie aber in südöstlicher Richtung von ihrem ursprünglichen Westostkurse weggetrieben. Die Landung im Gebiete von Friüul wäre also die Folge eines unglücklichen Zufalls gewesen. Von, der italienischen Gendarmerie wird gesagt? * die Lustschiffer hätten einen Mappeur und einen Photographen hei sich und in ihren Karten waren die italienischen Befestigungen der Alpen und der Tagliamentolinie rot eingezeichnet. Die Militärbehörde hat ' den Verhafteten die Karten und Photographien abgenommen. Ihre Entscheidung ist für die nächsten Stunden zu erwarten. Man glaubt, sie werde die Verhafteten freigeben, aber die mit Beschlag belegten Gegenstände zurückbehalten. Und heute gegen 10 Uhr kam in Innsbruck nachstehendes Telegramm an: „ Vive la liberte!
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Juli 1911, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8900-tiroler-ballonfahrer-in-italienischer-haft-wegen-spionageverdacht-1911).
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