GÄn ' Aag den 30. Dezember 1911V Jrrnsbrucker NachrickSerr Nr. 293. fStÜt 17. Die Hocheuburg. Gill Beitrag zur Geschichte des ' Innsbrucker Mittelgebirges. Bon Dr. Hugo T s ch u r t s ch e n t h a l e r in Jnllsbruck. Zwischen Jgls unb Lans, zweien auf dem -Innsbrucker Mittelgebirge liegenden Gemeinden, zieht sich der herrliche Ullwald hin; südlich steigt er sachte gegen den Patscherkofel emchor, während rr in nördlicher Richtung ziemlich jäh gegen die Ucker und Wiesen - Gebreiten der vorgenannten 'Ortschaften absällt. Hier, am Waldrande, ragt aus grünem Hügel, zwischen schattigen Bäumen Kalb versteckt, die sagenumwobene Hochenburg emjpor. Frei streift der Blick von der Anhöhe über grüne Wiesen am spitzen, roten Kirchturm von Mt vorüber hin gegen die Dörfer Mutters und ALatters, zur Saile, dein Hocheder, den Sellrainer Und Mieminger Bergen, danll wieder über die Waldkuppen des vorgelagerten Paschberges emvor zu den wildzerrissenen Kämmen und Scharren des Solsteins, des Brandjochs, der Frau Hitt And der anderen Recken der nördlichen Kalkalpen, bis sich endlich die riesigen Wände des Speckkars und Bettelwurfs kulissenartig vorschieben und weitere Aussicht behindern. Die. Hocheuburg tag gegen dreihundert Jahre in Ruinen; erst 1877 wurde sie von ihrem damaligen Besitzer, Herrn Dr. Othmar von Riccaboua, k. k. Notar tu Innsbruck, in ihrer jetzigen Gestalt erbaut, hiebei aber bloß das nordöstliche sTürurchen und das zweite Stockwerk neu aufgeführt, während alles übrige noch aus früheren Zeiten herrührt. Die Burgj bestand ursprünglich ans einem, allerdings gewaltigen Turme von rechteckigem Grundrisse, in welchem die Wohngelasse für die Insassen eingebaut waren; seine nach Norden itub Süden gerichteten Schmalseiten messen je 10 60 Meter, die Ost und Westseite hingegen je 15 - 90 Meter; die Mauern sind im Erdgeschosse fast 2 Meter dick. Als man im vorerwähnten Fahre mit dem Wiederaufbau begann, standen von der alten Burg nur noch die vier Hauptmauern, die nördliche ' Wand war fast bis zum Erdgeschoß abgestürzt, Schutt und Trümmer füllten mehr als die halbe Höhe des letzteren aus. Beim Abräumen des Schuttes *) stieß man merkwürdiger Weise auf keine Kellerräume, wohl aber wurden auf der nordöstlichen Ecke der Burg die Grundfesten eines kleinen, rechteckigen Turmes, sowie einer Ringmauer bloßgelegt; welch letztere zwischen sich und der Burg nur einen sehr beschränkten Raum freigelassen haben konnte. Die Fenster zu ebener Erde waren schtnal unb Schießscharten ähnlich; wegen der Dicke und ungemeinen Festigkeit der Planern ließ man Die Fenster in ihrer urfprüüblichen Einteilung bestehen ^). Der Burghügel fällt gegen Norden steil ab; auf den übrigen Seiten ist er durch einen tiefen und breiten Graben, der offenbar zum größten Teile durch Menschenhand angelegt worden ist, Dom umliegenden Gelände getrennt. Im südlich voir der Burg gelegenen Teile des Grabens fand Man gelegentlich einer im Jahre 1877 vorgenom- Dlenen Erdarbeit eiserne, stark verrostete Speereifeit, Messer, Teile von Hirschgeweihen, Eber- Hauer u. dgl. ^) In der Burg soll eine Kapelle gewesen sein; freilich läßt sich die Stelle, wo sie sich befunden, heute nicht mehr feststellen. Im Besitze der Herren Alois und Franz von Lemmen in Innsbruck befindet sich ein Bild, welches nach alter, sicherer Familienüberlieserung durch deren Urgroßmutter, Frau Eleonora von Lemmen, gebornen von Heffter *), der letzten ihres Stammes, in die Hände
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Dezember 1911, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8988-die-sagenumwobene-hocheuburg-im-innsbrucker-mittelgebirge-und-ihre-1911).
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