Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DUNKELHEIT MIT ÄSTHETIK

Beschreibung der Sonnenfinsternis am 17. April mit wissenschaftlichen und ästhetischen Betrachtungen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 12. April 1912 · Seite 1
In Pilsen leben mehr alc 8000 Deutsche, die das hervorragendste kultu (AachdruL » ertow «.) Sonnenfinsternisse in der Natur und in der Kulturgeschichte. Kine Studie zur Sonnenfinsternis am 17. April. Von Viktor T homa s. Wer an einem sonnigen Tage auf freiem pjelbe aufmerksam die Wolken betrachtet und ihre Schatten verfolgt, wie sie über die Erde Kuschen, beobachtet tatsächlich im kleinen, was sich bei einer Sonnensinsternis in viel größerem Maßstabe abspielt: eine Verfinsterung der Sonne .durch einen undurchsichtigen Körper, dessen Schatten auf der Erde eine bestimmte Bahn beschreibt. Freilich wird niemand, der einen idahinhuschenden Wolkenschatten sieht, an einen Vergleich mit einem so eindrucksvollen Naturfchaufpiele mie eine Sonnenfinsternis denken, wenn auch jede Einzelheit der einen Naturerscheinung ihr getreues Gegenstück bei der anderen hat, soweit es sich um die Erde handelt. Das Aussehen der Sonne verändert der Mond, Denn « x zwischen sie und die Erde tritt, in ganz anderer Art; er ruft an ihr die herrlichsten Erscheinungen hervor, über die selbst die sonst trockeneil Astronomen in Worte der Be- WÄLMM ansbxechen. Der Amerikaner Wilson zum Beispiel schildert den ästhetischen Eindruck, den er bei der astronomischen Beobachtung. der Sonnenfinsternis vom 7. August 1869 empfing, folgendermaßen: „Es war dunkel, aber nicht das Dunkel der Nacht. Lesen hätte man nicht können. Es war dunkler ringsllm, als in einer Helten Mondnacht, doch hell genug zum Verrichten unserer Arbeit. Einen Augenblick vor völliger Totalität erschien die schmale Sichel der Sonne noch gallz blendend, dann erlosch das Licht wie eine abgebrannte Kerze. Da hingen Sonne Und Mond, die beiden gewaltigen Gestirne, Antlitz an Antlitz, zwischen Himmel uub Erde, ein großer, schwarzer, runder Fleck, umgeben von eillem glänzeirden Lichtkreise bräunlich goldener Farbe, hier und da unterbrochen durch diel hellen Flecke der fleischfarbenen Protuberanzen von ganz unregelmäßiger Gestalt und Größe, und umgrenzt von der herrliches! Korona, die ihre Strahlen nach allen Richtungen schoß, am schwächsten dort, wo die Protuberanzen am größten waren, aber alles in Glorie hüllend, wunderbar schön, als wäre der Schöpfer
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. April 1912, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9021-beschreibung-der-sonnenfinsternis-am-17-april-mit-1912).

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