Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ERZHERZOG EUGEN VERLÄSST INNSBRUCK FÜR IMMER

Rücktritt des Erzherzogs Eugen aus gesundheitlichen Gründen – Neuaufteilung der Inspektionsbereiche

haben ihn zu einem der beliebtesten Generale der Armee gemacht. Sein Rücktritt wird in der Armee allgemein bedauert. " * Die „ Neue Freie Presse " widmet dem aus Gesundheitsrücksichten aus der Aktivität scheiden - ' den Erzherzog einen Leitartikel, in welchem sie die großen militärischen Vorzüge des Erzherzogs schildert. In der Armee wird die Nachricht von dem Rücktritte mit lebhaftem Bedauern ausgenommen. Die letzte Audienz des Erzherzogs Eugen beim Kaiser fand am Mittwoch, dem 3. b. M. in Schönbrunn statt. Dort hat Erzherzog Eugen dem Kaiser die Bitte um Enthebnug vorzetragen. Wie verlautet, hat der Kaiser mit Bedauern der Bitte Folge gegeben. Erzherzog Eugen leidet an einem Magen und Nierenleiden, das ihn in der letzten Zeit beim Reiten Schwierigkeiten bereitete. Erzherzog Eugen fungierte als Landesverteidigungsoberkommandallt von Tirol und Vorarlberg. Da Innsbruck künftighin nicht mehr der Sitz eines Armee - Inspektors sein wird, wird in Innsbruck die Stelle eines Landesverteidigungsoberkommandanten von Tirol und Vorarlberg aufgelassen werden. Die diesbezüglichen Agenden werden dem Landesverteidigungskommandanten von Tirol und Vorarlberg, als welcher der jeweilige Kommandant des 14. Korps mit) kommandierende General von Innsbruck, eintritt, übertragen. Erzherzog Eugen hatte in seiner Eigenschaft als Jnspektonsrayon die Bereiche des 14. ( Innsbrucker), des 8. ( Prager) und des 9. ( Leitmeritzer) Korps zugewiesen. Diese Jnspektionsbereiche sollen dem früheren Chef des Generalstabes Conrad v. Hötzendorf übertragen werden, der tu Wien ständigen Aufenthalt nimmt. Mit dem Rücktritte Erzherzogs Engen wird auch die Stelle eines Armeeinspektors frei. Als Armeeinspektoren, welche designierte Führer einer Armee sind, fungieren gegenwärtig G. d. I. Erzherzog Friedrich, der gleichzeitig Oberkorumandant der österreichischen Länder ist, so - > wie der FZM. Oskar Potiorek, die Generäle Frank, von Hötzendors unb Schödler. Dem Vernehmen nach soll scholl in nächster Zeit für den durch beu Rücktritt des Erzherzogs Eugen freigewordenen Posten eilt in hoher Stellung befindlicher General mit der - Machfolgerschast betraut werden. " ' * Erzherzog Eugen, der Enkel des Siegers von Aspern, des ruhmgekrönten Generalissimus Erzherzog Karl, ist der erste Erzherzog, welcher, nach sehr gut absolvierter Kriegsschule, zum Hauptmann im Generalstabskorps ernannt würbe. Geboren am 21. Mar 1. 833 zu Groß - Seelowitz, wurde Erzherzog Eugen 1877 zum Leutnant im Tiroler Kaiserjäger - Regiment ernannt. Er war dann von 1881 bis 1884 Oberleutnant im 2. Husarenregiment, hierauf Häuptmann im Generalstab, als solcher von 1885 bis 1887 eingeteilt zur TruppendienstLeistung bei den 5er - Husaren; als Major kam Se. k. u. k. Hoheit 1888 zum Infanterie - Regiment Nr. 100, wurde 1889Oberstleutliant, 1891 als Oberst Regimentskommandant der 13er - Husaren in Budapest, hierauf 1893 als Generalmajor Kommandant der 9. Jnfanteriebrigade in Olmütz, 1896 als Feldmarschallentnant Kommandant der 25. Jnfanterie - Truppendivision in Wien und dann im April I960 Kommandant des 14. Korps in Innsbruck und Landesverteidigungskommandant in Tirol und Vorarlberg. Seine Ernennung zunr Generaltruppeninspektor ( Armeeinspektor) erfolgte am 11. Oktober 1908 nach beut Rücktritte des G. d. K. Graftn Uexküll - Gylenband. Der Erzherzog hätte damals eigentlich Wieil als Stationsort beziehen sollen, blieb aber zur aufrichtigen Freude aller auf eigenen Wunsch in Innsbruck. Bei Manövern, den praktischen Proben des Führers auf seine Entschlußfähigkeit, gab Erzherzog Eugen wiederholt Beweise seiner außerordentlichen militärischen Fähigkeiten, sowohl wie er 1894 bei den Landskroner Kaisermanövern die 9. Jnfanteriebrigade, 1897 bei den Manövern voll Bistritz aut Hostein die 25. Jnsanterietruppendivision führte, wie er 1899 bei den ° - Hötzelsdorfer Kaisermanövern mit einem brillanten Durchbruch reüssierte, wie er die Tiroler Gebirgsübungeu 1905 instruktiv leitete und wie er im Jahre 1907 bei den Kärntner Kaisermanövern sich als Parteikommandant erfolgreich betätigte. Hervorragende militärische Fähigkeiten, welche an der Hochschule des Generalstabes die höchste. wissenschaftliche, in den dienstlichen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. Juli 1912, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9055-ruecktritt-des-erzherzogs-eugen-aus-gesundheitlichen-gruenden-1912).

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