Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VIEHTRÄNKE OHNE SEUCHENABSTAND

Strafverfolgung gegen Udernser Gemeindebehörde wegen Tierseuchengesetzesverstoßes

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. August 1912 · Seite 8
„ Föhn " ( Extrapreis). (Eine eigenwillige Gemeindevorstehung.) Eine krasse Übertretung des Tierseuchen - Gesetzes hatten sich der Gemeindevorsteher von Uderns Johgnn Schmid, der Gemeinderat Franz Deigl und elf weitere Bauern der Gemeinde Uderns, zu 1 schulden kommen lassen. Am 10. Oktober 1911 war, wie die Gendarmerie - Erhebungen ergaben, unter dem j Viehstande des Bauern Franz Maier in Uderns die! Maul und Klauenseuche ausgebrochen. Die Gendar-! merie verständigte hievon den Gemeindevorsteher und, wollte ihn zur Verfügung der entsprechenden Maßregeln verhalten. Schmid gab jedoch dem Gendar-! meriewachtmeister an, die Viehbesitzer von Uderns! hätten schon lange vor Ausbruch einer Seuche den i einstimmigen Beschluß gefaßt, daß sie keinerlei wie j immer geartete Verkehrsbeschränkungen cinhalten, in-! folgedessen auch keine über sich verhängen lassen wür- * den. Schmid und Gemeinderat Deigt hatten nun zwar ^ bei der Bezirkshauptmannfchast in Schwaz sowie bei der Statthalterei in Innsbruck um Genehmigung diej ses Beschlusses angesucht, ihr Gesuch war aber natür- ' lich abschlägig beschieden worden und die Statthali terei harte, allerdings etwas spät, die strengste Stallsperre über den verseuchten und seuchenverdächtigen ' Viehstand der Gemeinde verhängt. Die Seuche hatte sich inzwischen in 17 Stallungen verbreitet und Gemeindevorsteher Schmid hatte auch schon am nächsten Tage nach dem Ausbruche der Seuche auf Befehl des Oberticrarztes an den Stalltüren der verseuchten Gehöfte Warnungstafeln mit der Aufschrift: „ Maulund Klauenseuche. Eintritt verboten! " anbringen lassen. Aber weder Gemeindevorstehung noch Bauern kümmerten sich um die behördlichen Anordnungen, sondern rrieben nach wie vor das gesunde mit dem! verseuchten Vieh gemeinsam zur Tränke und auf die Weide, was denn auch eine allgemeine Verseuchung! des Viehes zur Folge hatte. Ebenso weigerten sich, die Udernser auch weiterhin, sich den behördlichen i; Anordnungen zu fügen, da für sie keine strengeren j Gesetze gelten könnten, als für die Bauern von Fügen und Achlitters, denen wesentliche Erleichterungen zugestanden worden waren. Die Udernser beriefen sich endlich auch noch auf einen Ausspruch des Obertierarztes, der das Austreiben des gesunden mit dem tranken Vieh als günstig bezeichnet hatte mid schließlich darauf, daß im behördlichen Kontumaz - Dekrete keine Zeit zur Einhaltung der Stallsperre angegeben worden war.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. August 1912, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9072-strafverfolgung-gegen-udernser-gemeindebehoerde-wegen-1912).

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