(Das Tiroler Dorf in Ungarn.) In diesen Tagen fand in Königsgnad ( Mralykegye) im Krasso - Szörenyer Komitat die Feier der h u n der t ft. e n Jahreswende der Konstituierung dieser Gemeinde statt. In üblicher Weise wurde das Fest begangen und in begeisterten Reden der Gründer des lieblichen Dorfstädtchens gedacht. Interessanter als die meisten dieser Reden war jedoch die Festschrift, die der Arzt Dr. Julius v. Sayler veröffentlichte, und die in frischen und hübsch geschriebeneit Kapiteln die Entstehung und Entwicklung dieser Gemeinde schildert. Heute ist Königsgnad von Deutschen, Slowaken, Tschechen Und Bulgaren bewohnt und unter den 1556 Seelen des Ortes sind der Magyaren nur sehr wenige. Bor hundert Jahren gab es hier jedoch! bloß Tiroler. In diese Gegend, die historischer Boden ist, denn Römer und Türken hausten, da in ihrer Art, brachte erst das österreichische Militärregime wirkliche Kultur. Der traurige Ansgang des Tiroler Krieges bot den Anlaß, einige jener Tiroler Familien, die ihr Vaterland verlassen wollten, in U. rgarn anzusiedeln. Mit einer Schar solcher Flüchtlinge kam Speckbacher im Mai 1810 nach Wien, wo er vom Kaiser Franz I. den Auftrag erhielt, „ die Tiroler Flüchtlinge nach Ungarn zu führen und ihnen eine Kolonie zu errichten ".. Speckbacher fuhr mit seinem Freunde Thalgutten und etwa zwanzig Tiroler Familien mittels Schiff auf der Donau, Theiß und Bega ins Banat, und hier sollte nun der Ort aus gewählt werden, wo man den von Haus ' mtb Hof Vertriebenen ein neues Heim geben wollte. Speckbacher entschied sich für das Füzeser Tal, und hier wurde denn auch das neue Tiroler Dorf gebaut und die Grundstücke verteilt. Bald kamen noch weitere. Tiroler Familien Mitttvvch den 25. September 1912. nach, und auch der Tiroler Held Jeremias Eisenstecken ließ sich mit Weib und Kind hier nieder. Me kaiserliche „ Patental - Vervrdnung " vom 9. Juni 1810, die Sayler in seiner; Festschrift neben anderen interessanten Dokumenten publiziert, enthält folgende Bestimmungen: Die Tiroler Ansiedler erhalten Grundstücke und Anbansamen als Geschenk; überdies erhält jede Familie einen Reisevorschuß von fünfzig Gulden und weitere Vorschüsse zur Anschaffung von Wirtschaftseinrichturrgen bis zur Höhe von sechshundert Gulden. Den Wünsch. ' der Tiroler, ihre „ Stutzen " behalten zu dürfen, bewilligte der Kaiser, doch ( so sagt die Verordnung) „ dürfen sie hiervon keinen unrechten Gebrauch machen, weil sonst denselben solche unnachsichtig wieder abgenommen werden ". Auch für eine Kirche und Schule wurde Vorsorge getroffen. Die Baukosten der 57 Tiroler Häuser betrugen 260. 000 Gulden, und in zwei Jahren wurde das Tiroler Torf, das den Namen „ Königsgnad " erhielt, feierlich eingeweiht. Ter Kameralpräsekt Rau nach hielt im Namen der Regierung eine Rede, und im Namen der Tiroler dankte der Pfarrer Johann Matthias Stneser, der mit seinen Landsleuten die Heimat verließ und sich ebenfalls in Ungarn ansiedelte. Unter den Tiroler Kolonisten befanden sich! unter anderen drei Familien Hofer aus Perwang, ferner Jeremias Gisenstecken und Frau Katharina Teimer. Heute leben in Königsgnad bloß noch die Nachkommen von Johann Zauner aus Alpach, die übrigen Tiroler Familien sind entweder wieder in ihre Heimat zurückgekehrt oder ausgestorben. Denn länge hielten es die Tiroler nicht im Banat aus. Viele
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. September 1912, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9101-hundertjaehriges-jubilaeum-der-tiroler-kolonie-koenigsgnad-in-ungarn-1912).
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