(E i n T i r o l e rMbe n b i n M ü n ch e m) In den „ Münchener Neuesten Nachrichten " lesen wir: Dieser Tage trug Joses M Wenter in den „Jahreszeiten " im Rahmen eines intimen Abends des Neuen Vereins aus eigenen Werken vor. Wenter ist ein Tiroler ^ Dichter. W setzt in seinen Werken aber nicht die Linie der Tiroler Heimatsdichtung fort. Wenigstens' war in den Dichtungen, die er vorlas, hievon nichts zu erkennen. Wenter stellte sich als ' ' Dramatiker vor. Uber es schien nach den vvrgetragenen Bruchstücken, als seien die dramatischen Dichtungen Wenters nur der äußeren Form nach Dramen. In ihrem Wesen erschienen sie als Lyrik. ' Das mag einen Zweifel an ihrer theatralischen Brauchbarkeit darstellen, nicht aber an ihrem poetischen Werte. Schwerer läßt sich eine Meinung über das ' Drama Saul fassen, aus dem Wenter einige Szenen aus dem Manuskript vorlas. Wer wenn man nach den paar Szenen urteilen darf, die man hörte, so scheint die Überzeugung gerechtfertigt, daß auch hier trotz der an sich kraftvoll gesteigerten Gestalten die Problemstellung ganz im lyrisch Gefühlvollen liegt. Rein ergibt sich diese Erkenntnis bei dem zweiten der drei unter dem Titel „ Leonardo da Vinci " vereinten Einakter. Es ist das einaktige Schauspiel „ Mona Lisa ". Was Wenter hier gestaltet hat, ist eine dialogisierte Dichtung von feinen Reizen und tiefem Gehalt an Stimmungen und Gedanken. Mit Plastik tritt hier, durchs\ die vornehmsten Mittel erreicht, das Wesen reiner, keuscher Liebe zutage. Es will in der Tat etwas bedeuten, wenn man die Empfindung hat, daß, zwei Namen wie Leonardo da Vinci und Mona Lisa nicht leichtfertig gebraucht, daß, ihre Geister nicht aus Überhebung zitiert fittb *. Es steckt in diesem Einakter etwas von der seelischen Größe, die wir in Leonardo und der Giaoonda uns inkarniert vorstellen. Der reine Hauch des Frü ' hvenaissancegeistes hat sich über diese Dichtung ergossen. Das fühlt man im Zuschleifen der Gedanken und Bilder und fühlt man in der Kultur der schön ziselierten Sprache. Die Verwandtschaft mit der Antike, der Einfachheit und Natur ist offenbar. Die Sprache hat den Stil eines Akanthus -
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Dezember 1912, S. 34, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9157-vortragsabend-mit-tirolischem-dichter-in-muenchen-1912).
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