(Explosion in derSpitalsapotheke) Im Frühjahre des vergangenen Jahres wurde dem Wirtschaftsgebäude unseres Spitales ein Neubau angefügt, in dem die Apotheke untergebracht ist. Im ersten Stockwerke befindet sich das Laboratorium, im Erdgeschoß die Apotheke selbst, welche mit dem Laboratorium durch enen Aufzug verbunden ist. Im Laboratorium der Apotheke hat sich gestern eine folgenschwere Explosion ereignet. Es arbeiteten dort der Magister Emanuel Rigotti, welcher schon 23 Jahre lang in der Spitalsapotheke angeftellt ist, sowie der Laborant - Franz Hummel, der erst den ersten Tag im ^Laboratorium war, weil mit Neujahr 1913 der Apotheker Malfatti die Spitalsapotheke übernommen und den in seinen Diensten stehenden Laboranten Hummel dort verwendet hatte. Magister Rigotti war eben damit beschäftigt, aus einer fünf ( Liter fassenden Flasche Benzin in eine andere Flasche zu gießen, als plötzlich, mit einer heftigen Detonation, der Inhalt der Flasche explodierte und die ' ganzen Räumlichkeiten in Flammen setzte. Der Magister Rigotti, welcher die verhängnisvolle Flasche in den Händen hielt, $ erlitt Brandwunden zweiten Grades an Gesicht und Hundert, der arn Brunnen arbeitende Laborant Hummel aber wurde sehr schwer verletzt; der ganze Oberkörper ist verbrannt. Das Laboratorium und der anstoßende Raum brannten lichterloh und durch ' den Druck wurde auch eine Asbestwand zertrümmert, welche ein vom Spitalsverwalter benütztes Zimmer vom Laboratorium trennte. Die Flammen bedrohten aber auch die im Erdgeschoß gelegene Apotheke, weil sie durch den breiten Aufzug, welcher das Laboratorium mit dem Apothekerraum verbindet, hinabdrangen; die Apotheke konnte aber doch vor Schaden bewahrt werden, hingegen zeigt der Aufzug Spuren des Feuers. Im Laboratorium waren die meisten Fensterscheiben und viele Gläser in Trümmer gegangen, die Einrichtung und die Türen sind stark ungebrannt, so daß für die Spitalverwaltung eine Gesamtfchaoen in der Höhe von über 1000 Kronen entstand. Der Portier Micheloni und der Spitaltapezierer nahmen die Löschaktion mit großem Erfolge auf, wobei ihnen die seit dem Dachboande im Spitale vom Verwalter eingesührlen eigenen Hydranten sehr zustatten kamen, lieber die Ursache der Explosion ist man sich völlig im Klaren. Als Magister Rigotti aus der Flasche Benzin schüttete, brannte ungefähr 3 Meter von ihm entfernt Gas au, einer kleinen Gasküche, wo gerade Wasser gesotten wurde. Zweifellos haben die Gasflammen trotz der ziemlichen Entfernung die Entzündung des Benzins verursacht und vielleicht war auch der Umstand förderlich, daß Hummel, der gerade vorbeiging, durch seine Vorwärtsbewegung eine Bewegung der Luft verursachte, die die dem Gasherde entströmende Wärme dem Benzin näher brachte. Rigotti konnte sich noch selbst nach Hause begeben, Hummel aber mußte in die dermatologische Abteilung des Krankenhauses gebracht werden. Durch die rasche Lokalisierung des Brandes wurde zweifellos ein noch viel größeres Unglück verhütet.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Jänner 1913, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9175-schwere-explosion-im-laboratorium-der-spitalsapotheke-mit-brand-und-1913).
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