Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEFÄHRLICHES FLEISCH AUS DEM NACHBARHAUS

Weinfälschungsverfahren in Schreckbichl und Brixen – Geldstrafen und Beschlagnahme von tausend Litern minderwertigem Wein

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 27. März 1913 · Seite 9
in Schreckbichl ( Girlan) geliefert. Dieser „ Ueberetscher Wein " stammt aber größtenteils aus Mezocorona. Das Bezirksgericht Glurns hat den Wirt und den Wemhändler verurteilt. Bei der Berufungsverhandlung beim Bozner Kreisgerichte wurde die Strafe des Wirtes auf 100 Kronen und die Strafe des Weinhändlers auf 300 Kronen erhöht. Von Interesse war die im Laufe der Verhandlung aufgetauchte Frage, ob das vom Beschuldigten eingestandene Auffüllen des Weines mit Wasser üblich und gestattet sei. Ter Sachverständige ( Kellereiinspektor Becke) beantwortete diese Frage, vom Gerichtshof gestellt, dahin, daß das gesetzlich, verbotene Auffüllen mit Wasser wohl teilweise gebräuchlich sei, wie etwa das Wildern in Tirol und das Hammelstehlen in Montenegro! Ter Gerichtshof ( Vorsitzender Landesgerichtsrat Christanell) ;ab in der U ' rtellsbegründung präzisen Ausdruck, )aß jedweder Wasserzusatz zum Wein ohne Rücksicht au / das verwendete Quantum eine Gesetzesüberneinng darstelle. — Aus Brixen wird dem „ Tir. 8,tköbl. " berichtet, daß bei dem Rotadlerwirt Peter Nolllng in Brixen vom Kellereiinspektor Becke aus ftozen mit dem neuernannien ftädt. Marktkomuissär Plangger eine Kellerrevision vorgenommcn vurde, die geradezu schauerliche Zustände aufdeckte, )ie an den berüchtigten Wastlwirt Zingerle erinnern, velcher bekanntlich vor einem Jahr wegen Weiwoantscherei zu vier Wochen Arrest und Konfiskation seiner Weine verurteilt wurde. Wie bei enem wurden im vorliegenden Falle nur einige Fässer bessere Weine angetroffen, alles andere war öeps und gewässertes und gezuckertes Zeug! Ueber 1000 Liter — ohne Hauswein — wurden beschlagii a h m t. Dieser Wirt und Weinhändler wird sich uun bei dem Gericht und der politischen Behörde zu rechtfertigen haben. Wie bekannt wurde, lagern außerdem in mehreren hiesigen Kellern vom Kellereiinfpektor beschlagnahmte Pantschweine einer Firma D. Zanini, „ WeingüLerbesitzer " in Mezolombardo. Das diesbezügliche Strafverfahren, in das auch hiesige Wirte verwickelt sind, scheint noch nicht abgeschlossen zu sein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. März 1913, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9238-weinfaelschungsverfahren-in-schreckbichl-und-brixen-geldstrafen-und-1913).

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