Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TIERL WIRD KATHOLISCHER STAAT

Abstimmung über den religiösen Antrag des Fürstbischofs Bincenz im Landtag Tirol

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 18. April 1861 · Seite 5 · #Tirol und die Kirche
765 Für veränderte Formulirung des Antrages obwohl im Prinzipe mit demselben theilweise einverstanden, äußerten sich die Herren Abgeordneten Baron Ingram, Dr. Pfretzschner, v. Putzer, Mart. Mair, K. v. Riccabona, v. Goldegg, Feistenberger, Röck und Sartori. Der Herr Berichterstatter widerlegte nun die im Laufe dieser Debatte und durch Stellung von Abänderungsvorschlägen zu dem fürstb. Anträge laut gewordenen gegentheiligen Ansichten, und nachdem der Hr. Fürstbischof Bincenz nochmals zu Gunsten seines Antrags das Wort ergriffen und dessen Annahme der hohen Versammlung dringlichst an ' s Herz gelegt hatte, erfolgte die Abstimmung nach alphabetischer Ordnung mit Namensaufruf, und zwar nicht über den Antrag im Ganzen auf Einmal, sondern über jeden seiner drei Hauptbestandtheile insbesonderS. Der erste Theil dieses Antrages lautete: Auf Grund des allerhöchsten Handschreibens vom 7. Sept. 1859 und dcö §. 17 der Landesordnung wolle der hohe Landtag zum Schutze der Glaubenseinheit Tirols folgendes Landesgesetz in Vorschlag bringen: „Das Recht der Oeffeutlichkeit der Religionsübung steht in Tirol nur der katholischen Kirche zu. " Dafür stimmten mit „Ja! " alle anwesenden Abgeordneten mit Ausnahme von Zweien, welche mit „ Nein! " stimmten und Zweier, die sich der Abstimmung enthielten. lieber den zweiten Theil des fürstb. Antrages, der da lautet: „Die Bildung nicht katholischer Gemeinden ist unzulässig — " stimmten zwei Abgeordnete mit „ Nein! ", drei enthielten sich der Abstimmung, alle übrigen stimmten mit „ Ja! " Der dritte Theil des Antrages mit dem Wortlaut: „Die nicht zur katholischen Kirche sich Bekennenden erlangen die Erwerbsfähigkeit unbeweglichen Vermögens nur über Antrag des Landtages und Bewilligung des Kaisers. " „Die Behörden haben die Befolgung dieses Landesgesetzes von Amtswegen zu überwachen " — erhielt 37 bejahende Stimmen, während 11 Abgeordnete gegen denselben stimmten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. April 1861, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/951-abstimmung-ueber-den-religioesen-antrag-des-fuerstbischofs-bincenz-1861).

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