Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
PRIESTER UND KOMMANDANT IM STREIT

Andreas Hofer entlässt Priester Michl nach drei Wochen in der Hofburg

Ueber den unlängst zu Grabe getragenen Sweth, einstigen Adjutanten und Leidensgefährten Andrä Hofer ' S enthält die „ Salzb. Ztg. " folgende Anekdote: Anno 1809 wurde Herr Leopold Michl, ein Oberförsterssohn von Salzburg, bekannt als ausgezeichneter Botaniker, damals Vikar in Eschenau bei Tarenbach, von Tiroler Schützen nach Innsbruck transportirt, weil er in den Verdacht gekommen war, daß er es nicht mit den Tirolern halte. Er hatte aber als ein ganz unparcheiischer, friedliebender Mann seine Pfarrgenosscn nur ermahnt, lieber zu Haufe bei der Arbeit zu bleiben, als in den Krieg zu ziehen. In Innsbruck wurde nun unser guter Mich! sogleich zum Kommandanten Andreas Hofer in die Hofburg geführt, auf daß er sich vor demselben verantworte. Hofer ließ diesen Vorfall durch Sweth an daS fürstbischöfliche Ordinariat Briren berichten. Nach einiger Zeit kam von diesem der Bescheid zurück: „ Priester Leopold Michl ist ein Ärdiöcesan; cS steht unö also über ihn keine Jurisdiktion zu. " — „ Und mir auch nicht " — erwiderte in seinem geraden Sinne Andreas Hofer, und entließ Hrn. Mich.! unverweilt mit sicherem Geleitsbrief nach Hause. Einsender dieses weiß diese Anekdote aus dem eigenen Munde deS Hrn. Vikars Michl, der zugleich er. zählte, daß sein Aufenthalt in der Hofburg zu Innsbruck beiläufig 3 Wochen dauerte; daß er bei Andreas Hofer wohl gelitten war; diesem in ämtlichen Erlässen Diensten leistete, und manche Concepte des jungen, hitzigen Adjutanten Sweth corrigirte und in mildere Ausdrücke kleidete.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. Mai 1864, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1404-andreas-hofer-entlaesst-priester-michl-nach-drei-wochen-in-der-1864).

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