Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HUNDSTEUER IM VIERBEINIGEN PROTEST

Lamentation über die neue Hundesteuer in Tirol

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. April 1866 · Seite 17
Beilage zu den Innsbrucker Nachrichten Nr. 79 Lamentation über die Hundesteuer. 1. Auf ' n Plazl um d ' Geisterstund Warn beisamm ' a Dutzend Hund Manche Augen warn voll Thranen. Viele knirschten mit den Zähnen: „Jetzt will man von uns a Steuer — ,Brod und Fleisch is eh ' so theuec; „Pudeln, Bulldogg. Pünsch und Dachsen „Alle Hang ma in der Maxen; „Man darfs nehmen wie man will: „Zwei Gulden san für uns z ' viel. " 2. Alles winselt, schreit und klagt. Bis ein alter Pudel sagt: „Nur net gar so lamentiren, „Nur net gleich den Kopf verlieren, „Denn was nutzen die Debatten. „Wir woll ' n ruhig uns berathen, „Doch bevor wir etwas wagen, „Müß ' ma d ' Spitzeln erst verjagen; „Das san schadenfrohe Hund ', nDö g ' hörn net in unfern Bund. " 3. Und ein Bulldogg nimmt im Zorn Glei an Spitzel bei die Ohr ' n, Schlagt ihn nieder mit der Pfoten, Thät ihn beuteln nach der Noten, War er ihm net bald ausg ' cissen. Hat ' er ihn am End zerbissen, Und in einigen Sekunden Warn die Spitzeln wie verschwunden. Nur von weitem hört ma s schrei ' n: „WartS, das sollt ihr noch bereu ' n! " 4. Kaum war dieser Akt vorbei, Schreit a Windspiel ohne Scheu: „Um den Zweck net zu verfehlen, „Muß ' ma ja Vertreter wahl ' n, „Der von uns den größten Rachen. „Woll ' n ma gleich zum Präses machen, „Drum soll ohne z ' bellen und beißen, „Jeder g ' schwind sein Maul aufreißen. „Denn es geht ja Mensch wie Hund „Ohne Oberhaupt zu Grund! " 5. Und mit Jubel ohne End' Wird der Lackel Präsident. Der gebietet gleich zu schweigen, Sagt: „ Es wird sich alles zeigen, „Diese Steuer laßt vor Allen „Kaum a Esel sich jetzt g ' fallen; „Das heißt ' s Hundsgefühl verspotten. „Unser edles G ' schlecht ausrotten, „Da soll ' n wir net rebelliren, „Keine Wuth bei uns grassiren! " 6. Aus dem wühlerischen Chor Tritt a Kettenhund hervor, Sagt: „ Ich muß wie ein Drachen „Meinem Herrn das Geld bewachen. „In a Loch bei meiner Hütten „Thut er seine Zwanz ' ger schütten, „Soll er für mich zahl ' n a Steuer, „Eher gehet er durchs Feuer. „Setzt sich lieber, das iS rein, „Selbst als Hund in d ' Hütten nein! " 7. Jetzt nimmt auch der Bulldogg s ' Wort, Sagt: „ Ich bin bei einem Lord, „Der zahlt sicher diese Gulden „Lieber schon, als seine Schulden, „Der laßt mich g ' wiß net entführen, „Wie ein Pascha stranguliren; „Auch möcht ich mich aufklär ' n lassen, „Ich Hab eine Doppelnasen, „Und da muß ich g ' wiß von All ' n „Meine Steuer doppelt zahl ' n. " 8. Auch ein Pünscherl hat ' S gewagt, An dem oft der Hunger nagt,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. April 1866, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1697-lamentation-ueber-die-neue-hundesteuer-in-tirol-1866).

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