Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FRIEDHOF AM INNRRAIN IST KEIN GLÜCKSTRAFF

Pfarrliches Gutachten wider den Comitö-Vortrag betreffend den Friedhof in Innsbruck

743 Innsbrucker Ztadlpost. Thermometerstand um iv Uhr Vormittags 10 Grad Wärme. ff Dem heutigen Tirolerbothen liegt das »Pfarramtliche Gutachten über den Comitö - Vortrag des Bürger - Ausschusses, betreffend den Friedhof zu Innsbruck " bei. Dasselbe geht auf eine Besprechung, respective theilweise Widerlegung jenes Comitö - Vortrages ein, und führt an, daß 1. der im pfarrlichen Anträge auf Beibehaltung und Vergrößung des gegenwärtigen Friedhofes nachgewiesene Raum als Begräbnißplatz nicht blos für die Gegenwart vollständig genüge, sondern sogar bei einer Bevölkerungszunahme in dieser Pfarre von 3000 bis 4000 Menschen noch ausreiche, wornach noch dargethan wird, daß der Comitö - Bericht sich hinsichtlich der Berechnung des Flächenraumes im Jrrthume befinde und demnach kein Grund vorhanden sei, wegen Raum - Mangel eine Versetzung des Gottesackers zu beantragen. Zweitens widerspricht das pfarrämtliche Gutachten die im Comite - Antrag erörterte Schädlichkeit der Friedhofsausdünstungen für die nächste Nachbarschaft unter Aufzählung mehrerer Gegenbeweise, und mit dem Beifügen, daß zur Zeit einer Epidemie ein Nothoder Pestfriedhof beim Militärfriedhofe hergestellt werden solle, und daß dermal die Anlegung eines neuen Leichenhauscs völlig überflüssig sei, zur Zeit einer Epidemie aber nirgends anders als zu dem besagten Noth oder Pestfriedhofe Hinpasse. Drittens wird die zur Anlage des neuen Friedhofes bestimmte Oertlichkeit im Westen der Stadt als nicht geeignet erklärt, da die Westwinde die Friedhofsausdünstungen gerade den zunächst liegenden Häusern des Jnnrain zuführen würden, und es außerdem den Hausbesitzern und Bewohnern des niedlichen Jnnrains kaum angenehm sein würde, wenn künftig ( nach dem Comitö - Antrage) alle Leichen knapp an den Häusern auf dem Trottoir vorübergetragen werden müßten *). Endlich verwahrt sich das Pfarramt gegen die Annahme, als würden die von 151 einzelnen Wohlthätern zum Behufe der Erweiterung und Reform des alten Gottesackers zugesicherten 5326 fl. bei der Anlage eines neuen Friedhofes zur Erbauung der Einsegnungskapelle eben so willig gespendet werden, da man dießfalls erst die Willensmeinung der 151 Wohlthäter einholen müßte. Was den Kostenpunkt betrifft, läßt sich das pfarrämmtliche Gutachten zu der Erklärung herbei, daß die vollendete Herstellung des gegenwärtigen Gottesackers die Summe von 20,000 fl. übersteigen werde; dagegen komme die Anlegung eines neuen Friedhofes mit Arkaden mindestens auf 80,000 fl., abgesehen von der öden, vereinsamten Lage eines so entfernt liegenden Gottesackers. * In künftiger Woche werden folgende Märkte abgehalten: Am 21. Mai in Willen, Girlan und in Innsbruck ( durch 8 Tage); am 22. Mai in Jnnichen und Roveredo; am 23. Mai in Arco; Spor und in Zembra; am 24. Mai in Kundl und Preore; am 25. in Nels und Sand. *) In dieser Angelegenheit kam der gefertigten Redaktion gestern ein ausführlicher schriftlicher Antrag zu. dahin lautend, daß der neu anzulegende Friedhof anstatt an der Holzstätte am Jnnrain — lieber unweit dem Hause der barmherzigen Schwestern an der Kettenbrücke angelegt werden sollte. — ( Bekanntlich könnte aber dort ein Friedhof des Grundwaffers wegen nicht hinverlegt werden).
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. Mai 1855, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/175-pfarrliches-gutachten-wider-den-comitoe-vortrag-betreffend-den-1855).

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