Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
CHOLERA-GEISTER MIT AMMONIAK GEJAGT

Neues Heilmittel gegen Cholera: Ammonium carbonicum und Kampher

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. August 1855 · Seite 5 · #Cholera
Unter Annahme der Hypothese: „ Daß das Cholera - Miasma in für unsere Sinne nicht wahrnehmbaren, die Luft strichweise schwängernden Infusorien bestehe " veröffentlicht Herr Doktor Fr. Zeidler in Wien, als bestes Mittel gegen die Cholera Ammonium carbonicum (kohlensaures Ammoniak) und auch abwechselnd Kamp her mit glücklichstem Erfolge verordnet zu haben. Bei der Wichtigkeit der Sache lassen wir einen Auszug aus dessen im „ Wiener Conversationsblatte " Nr. 189 vom 18. d. Mts. unter der Aufschrift: „Die Cholera, ihre muth maßliche Ursache und die darauf sich stützende Heilmethode" erschienenen Artikel hier wörtlich folgen: „Wir sehen das Ammonium earbonicum organische Stoffe tödten, faulig gährende Produkte ausscheiden, die quantitativ und qualitativ entarteten Secretionen umstimmen, und endlich alle Formen von krampfhaften Krankheiten heilen. Somit leistet das Ammonium earbonioum allen Anzeigen, die zur Heilung der Cholera erfordert werden, Genüge, und auch der Hypothese: „ daß das Cholera - Miasma in Infusorien der Luft bestehe. Aber auch der Kampher ist ein sprechender Beweis für diese Hypothese, denn er besitzt im vorzüglichen Grade die Eigenschaft, die feinsten Thiere niederer Gattung durch seinen Dunst schnell zu tödten, und so das Cholera- Miasma, das sich an die Haut, die Haare, oder auch an die Kleidung der Menschen hängt, und so von Menschen auf Menschen unsichtbar übergeht, am schnellsten zu tödten und zu vernichten. Ich habe ihn nur in Fällen, wo kalte und blaue Ertremitäten, kalte Zunge, kalter Athcm und Pulslosigkeit dem Leben ein Ende machen wollten, abwechselnd mit dem Ammonium oarbonioum angewendet und sehr viele Kranke glücklich gerettet. Bei sehr gefährlichen Fällen darf aber auch die äußerliche Behandlung mit Kampher nicht vernachläßiget werden. Man reibt mittelst eines wollenen Lappens einen Theil des Körpers nach dem andern mit Kamphergeist ein, während die übrigen Theile mit einer wohldurchwärmten und mit Kampher durchräucherten Decke eingebüllt werden. Zugleich läßt man im Krankenzimmer auf einem heißen Bleche über einer kleinen Lampe ununterbrochen aufgestreuten Kampher verflüchtigen, so daß die Zimmerluft stark damit geschwängert sei. Dieser Kampherdunst, welcher sich dem Kranken bei jedem Athemzuge aufdringt, selbst wenn schon der Kinnbackenkrampf seinen Mund zum Einnehmen verschlösse, wird nächst dem anhaltenden Einreiben des Kampher- Spiritus auch da noch Helsen, wo Eiseskälte der Glieder,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. August 1855, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/221-neues-heilmittel-gegen-cholera-ammonium-carbonicum-und-kampher-1855).

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