Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LANDSTREICHERPLAGE OHNE ENDE

Wuchernde Landplage durch Zigeuner, Burschen und Karrenzüge belästigt die Dörfer

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 6. April 1867 · Seite 4
Es wiminelt ja in den Dörfern von Landstreichern jeglicher Art. Zigeuner, Rastelbinder, Eisenbahnarbeiter italienischer und böhmischer Abkunft, wandernde Musikanten, vacirende Skribenten und ganze Rudel von Handwerksburschen bestürmen täglich bettelnd, oft über 60 an der Zahl, die armen Dorfbewohner, wobei sie es besonders auf Gasthäuser und Widdums absehen. Dazu kommen noch ganze Karavanenzüge von Dörchern, Karren an Karren fährt an, gewöhnlich ein Esclein vorangespannt, — hinter demselben noch ein zweibeiniges Gespann nach wälscher Art; nebenher männliche und weibliche Begleitung. Aus den Oeffnungen der Karren lugen Kinderköpfe heraus. Den Nachtrab bildet die größere Jugend, die gelernt hat, jeden Wanderer so lange zu umschwärmen, bis er sich loskauft. Leider wissen diese Landeskinder von der Religion gewöhnlich nichts oder blutwenig. Nur das biblische „crescite et mulliplicamini “ ist ihnen geläufig. Es ist über diese wahrhaft egyptische Landplage viel geschrieben und geklagt, aber noch nie geholfen worden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. April 1867, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1910-wuchernde-landplage-durch-zigeuner-burschen-und-karrenzuege-1867).

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