Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
INN FRÖSTELT SICH EIN

Strenge Kälte legt Inn zu, Schnee bedeckt Felder und Alpen, Wild zwingt zum Abstieg

(Winterliches.) In Folge der Heuer so andauernden Kälte trifft auch der Inn Anstalt, sich mit einer Decke zu überziehen. So ist er an einigen Stellen gegen Völö hinaus und gegen Hall bis auf dieDistanz von wenigen Schuhen zugefroren, und fortwährendes Treibeis wird das Seinige thun, auch diese Lücken noch zu schließen; an beiden Ufern hat sich bereits durchaus ein Rand von 5 bis 6 Schuh festgesetzt und Grundeis gebildet. In der Ebene von Innsbruck herum lieg » auf den Feldern ein anderthalb Fuß hoher Schnee und auf den Mittelgebirgen bei 3 Fuß. Die Alpenregion ist ganz unzugänglich gemacht, da der dortige über 6 Fuß hohe Schnee, wie Staub so weich, nicht einmal mit s. g Schneereifen zu passtren ist. Daß bei einem solchen strengen Winter das Wild, welches nicht gefüttert wurde, oder nimmer werden konnte, aus Mangel an Nahrung stark leidet, und manches Stück zu Grunde gehen wird, ist wohl vorauszusehen und jedem einleuchtend, der die furchtbare » Massen von Schnee gesehen, die in den Thälern und Bergen lagern. Wohl dürften Heuer die bis jetzt so häufigen Unglücksnachrichten durch Lawinen im Frühjahre einen bedeutenden Beitrag erhalten, wenn sich vom warmen Südwind gelöst, diese Masse » in Bewegung setzen, und in ' s Thal herniederstürzen Auch das Wild ist gezwungen herabzusteigen und in niederen Wäldern Schutz und Nahrung zu suchen. So wurden in einigen Forsten um Innsbruck herum Rehe in der Nähe von Ortschaften gesehen, und in den sonst eben nicht wildreichen Mühlauerund Arzlerbergen kann man täglich Morgens von 8 — 10 Uhr mit bewaffnetem Auge Gemsen im obersten Holze sehen, sowie die tiefen Fährten, welche dieselben im weichen Schnee zurücklassen. Vor einigen Tagen wurde bei der s. g. großen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. Jänner 1868, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2091-strenge-kaelte-legt-inn-zu-schnee-bedeckt-felder-und-alpen-wild-1868).

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