Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LEBENDIG BEGRAUBEN IM SCHNEEGRAB

Unglückliche Lawinenbegräbnis zweier Bauern in Briren – Heldentod und Rettung nach sechs Stunden

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 6. März 1868 · Seite 4 · #Lawinen
(Unglück durch eine Lawine.) Am Aschermittwoch ereignete sich zu Briren im Thale ein bedauerlicher Unfall. Zwei nachbarliche Bauern gingen Mittags in die wilde Schlucht des Brixen - Baches, um daselbst tief ' mit Schnee bedeckte Sägehölzer an ' ö Tageslicht und dann heimzubefördern. Nachdem sie ein paar Stunden rüstig gearbeitet und eine große Masse Schnee weggeschaufelt hatten, stürzte plötzlich vom steilen Gampen eine gewaltige Schneelawine herab, und begrub die zwei Arbeiter in der von ihnen selbst ausgeschaufelten Grube. Dicht aneinander gedrängt waren sie lebendig begraben Da Niemand in der Nähe war, der von diesem Unglücke wußte und zu Hilfe eilen konnte, war auch die Hoffnung auf baldige Rettung aus dem frostige » Schneegrabe nur eine äußerst geringe. Doch die beiden Unglücklichen waren bald gefaßt. Sie machten ihre Rechnung mit dem lieben Herrgott, so gut sie es eben konnten, und bereiteten sich auf den nahen Tod vor, wobei einer den andern durch seine Zusprüche unterstützte und ermunterte. Die Stimme des einen aber, der von der herabstürzenden Schneemasse, worunter auch vieleEisklumpen waren, schwerer getroffen sein mochte, wurde allmälig immer schwächer und stiller, und verstummte endlich nach l ' /r Stunden völlig Der andere hielt nun die kalte Leiche seines Nachbars und Freundes in seinen Armen. Eö läßt sich leichter denken als beschreiben, wie ihm in dieser schrecklichen Lage und bei dieser schauerlichen Umarmung zu Muthe sein mochte. Auch er fühlte seine Kräfte allmälig schwinden, das Athmen wurde immer beschwerlicher, der Tod rückte mit jeder Minute näher heran, und er hätte sicher in Bälde das Schicksal seines Freundes getheilt, wäre nicht im rechten Augenblicke noch Rettung gekommen. Erst um 8 Uhr Abends fand man das Ausbleiben der Beiden auffallend, und als man sie nach gepflogenen Erkundigungen nirgends in den Nachbarhäusern erfragen konnte, fing man an, ein Unglück zu ahnen. Es machten sich nun einige baumstarke Burschen mit Schaufeln und anderen Werkzeugen ausgerüstet auf den Weg nach der Unglücksstätte, wo sie auf ihr lautes Rufen eine dumpfe, aber unverständliche Antwort aus der Tiefe vernahmen. Natürlich stählte dies ihre Kräfte, und nach kurzer, aber strenger Arbeit war die ungeheure Schneemasse fortgeschaufelt, und das Grab geöffnet, worin man die beiden Unglücklichen fand, den einen als Leiche, den andern dem Tode nahe, nachdem er sechs volle Stunden an die Leiche seines Nachbars angeklammert gewesen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. März 1868, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2106-unglueckliche-lawinenbegraebnis-zweier-bauern-in-briren-heldentod-1868).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Flüsse, Wetter & Naturgewalten“

INN FRÖSTELT SICH EIN

Strenge Kälte legt Inn zu, Schnee bedeckt Felder und Alpen, Wild zwingt zum Abstieg

Innsbrucker Nachrichten · 8. Jänner 1868 · S. 4 · Flüsse, Wetter & Naturgewalten

(Winterliches.) In Folge der Heuer so andauernden Kälte trifft auch der Inn Anstalt, sich mit einer Decke zu überziehen. So ist er an einigen Stellen gegen Völö hinaus und gegen Hall bis auf dieDistanz von wenigen Schuhe …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |