Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WILDBACH MIT VERBOTENEN REGELN

Wiederkehrendes Überschwemmen St. Nikolaus durch den Fallbach aufgrund vernachlässigter Schutzmaßnahmen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 27. Juli 1869 · Seite 5 · #Flüsse und Wildbäche
(Beherzigellswerth.) DaS vorgestrige AuStreten des FallbacheS hat unS einen alten Uebelstand wieder ins Gedächtniß gerufen, der vielseitig schon vergessen und verschlafen war. Wir meinen damit die Muhren und Rinnen ober St. Nikolaus, welche der Fallbach in sich vereint, und die schon vor Zeiten Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit waren. Gerade vor 21 Jahren, am Jakobitage des Jahres 1818 war eS. daß dieser Bach St. Nikolaus überschwemmte, und die nächstgelegenen Häuser und Gaffen ernstlich bedrohte, und damals wurde zur Verhütung öfteren Wiederholens Anstalten getroffen, welche, wären sie bis jetzt beachtet worden, ein Muhren dieses Baches nicht mehr so leicht zulassen würden. Durch rin Bett voll KalkgerölleS in abschüssiger Lage fließt dies sonst, wie alle seine Genossen, so zahme Bächlein vom Gebirge ober St. Nikolaus herab und vereinigt in sich mehrere gleichbeschaffene Rinnen, welche bei einem Gußregen ebensoviele ganz anständige Bächlein bilden, und ebensoviel Gerölle als Wasser bringen. In richtigster Würdigung dieses gefährlichen MuhrbacheS hat unser Magistrat über ernstliches Andringen des k. k. Ingenieurs Kink im Jahre 1818 eine Anordnung getroffen, wonach jede Holzfällung in weitem Umkreise dieser Muhren jede Störung der dortigen Kulturen und jedes Befahren oder Beschleifen der dortigen Rinnen und Wege, und zwar für die Zeit vom Veitstag bis Mitte August eines jeden JahreS strenge untersagt war. Mit der Obsorge für die Beachtung dieser Anordnungen war ein Mann betraut, der auch dieses Amt bis vor Jahren energisch handhabte, wegen vorgerückten Alters aber seitdem nicht mehr seinem Dienste Nachkommen konnte. Derselbe lebt noch und heißt Hüter. Mit diesem Amte wurde aber an dessen Stelle Niemand mehr betraut. In ehrender Anerkennung dieser Obsorge steht der Name deö k k. Ingenieurs Kink heutzutage noch mit großen Buchstaben an den Mauern deö VenuSbadeS geschrieben, mit einigen seine Verdienste um die bedrohte Gegend dankbarst erwähnenden Worten. Ein bloßeS Ansehen dcS Gebirges ober Lt. Nikolaus zeigt unS jetzt, daß diese damaligen Vorschriften schon lange außer Uebung kamen. Wenige Bäume und verkümmerte Stauden sollen die große Aufgabe erfüllen, den Boden festzuhalten, allein von Jahr zu Jahr sehen wir die Runsen stets wachsen, das Gerölle sich vermehren, Bäume, Stauden und WieSboden schwinden, und das Sammeln der Beiselbeerwurzen hat neulich daS Meiste dazu beigetragen, den Boden vollends zu lockern. Diese Verhältnisse, über deren wahrheitsgetreue Darstellung jeder sich mit eigenen Augen überzeugen kann, mögen wohl unsere Ktadtvrrtretung bewegen, ernstlich diesen Uebelstand zu Rathe zu ziehen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. Juli 1869, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2364-wiederkehrendes-ueberschwemmen-st-nikolaus-durch-den-fallbach-1869).

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