Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GESTENFÜLLIGE MONIKA UND DER STAMMESFESTE UBRICH

Nachtrag zur Aufführung des „Sonnwenbhof“: Lob und Kritik an der Darstellung der Schauspieler

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. November 1855 · Seite 4 · #Schauspiele
Nov. „ Der Sonnwenbhof ", Schauspiel von Mosenthal. Dieses Drama ward bereits bei seiner ersten Vorführung in verwichener Saison besprochen, und so ist es einzig und allein die Darstellung, die wir einer nähern Betrachtung unterwerfen wollen. Wie gewöhnlich verdient auch diesmal Hr. U brich ( Mathias) zuerst genannt zn werden; seine Leistung war in dieser Rolle schon früher eine glänzende, und hat durch die größere Mäßigung, welcher sich dieser Künstler hier und im Allgemeinen fortwährend bestrebt, noch bedeutend an Werth gewonnen. — Fräul. Müller gab die Monika. Da das, was wir dieser Schauspielerin verwerfen, nicht ein Fehler, sondern ei » Mangel ist, nämlich der Mangel an Plastik, so wird er sich auch i » allen Rollen geltend machen, die nicht im eigentlichen Genre ihrer Darstellung liegen, und wir können nur das oft Ausgesprochene wiederholen. Wir möchten z. B. nur frage », welche und wie viele Affekte durch eine und dieselbe Bewegung ausgedrückt werden sollen? nämlich durch die, mit der einen Hand über die Schläfe zu streichen, und die andere aus die Brust zu legen, welche Actio » Fräul. Müller gestern wenigstens fünfzigmal in den verschiedensten Affekten machte. Frau Schmechel (Anna) ergriff durch die Wärme und Natürlichkeit ihrer Darstellung, die gegen Ende des fünften Aktes in überraschende Kraft überging. — Könne » wir über die Darstellung des Herrn Schmechel ( Valentin), der sich vor Allem seine unschönen Stellungen abzugewöhnen hat, nickt besonders günstig sprechen, so müssen wir um so lobender Frau Hürah ( Crescenz) und Hrn. Behrens ( Pfarrer) erwähnen. Fräul. RoSner ' s Darstellung der Franzl war anmuthig, natürlich und gemüthvott. — Das Ensemble befriedigte nicht, es wurde » nur drei Scenen befriedigend gegeben: die zwischen Mathies und dem Pfarrer, zwischen Franzl und Anna, und zwischen Anna und Mathies im letzten Akte; die letzte war entschieden die glänzendste Seite der Aufführung.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. November 1855, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/273-nachtrag-zur-auffuehrung-des-sonnwenbhof-lob-und-kritik-an-der-1855).

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