Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DOKTOR EISENBART ZIEHT IM STRASSENZUG

Maskenzug mit scheinbarem Zahnziehen und Strohentfernung durch den sogenannten Doktor Eisenbart

(Maskenzng.) Während in früheren Jahren der „ unsinnige Donnerstag" nicht ungern auch in der Stadt zu einem öffentlichen Maskenscherze benutzt wurde, ließ sich Heuer nichts derlei wahrnehmen, wohl aber bewegte sich letzten SamStag ein Maskenzug durch die Straßen und erinnerte nur, daß noch immer, wenn auch nur mehr kurze Zeit, Prinz Karneval seine Herrschaft habe. Doktor Eisenbart, der schon oft zu derlei Scherzen in ' s Mitleid gezogen wurde, war es auch diesmal, der seine Rundreise in einem Lohnkutscherwagen machte. Wie ein an demselben befestigter Zettel besagte, kam der mildthätige Doktor aus Chinesia, wir glauben aber eher vom Radetzky - Jäger in Willen. Trotz aller Anpreisungen wollte Niemand aus dem Publikum sich dem Künstler anvertrauen, und so mußte denn sein eigenes Gefolge zu allerlei Kuren herhalten, die auf offener Straße vor sich gingen und wirklich Erstaunen erregten. Dem einen wurde ein Zahn mit riesiger Wurzel aus dem Kiefer gezogen, dem andern ein paar Knödel, die ihm im Schlunde stecken geblieben waren, einem dritten endlich der als Professor dekorirt wurde, aus einer Kopfgeschwulst ein Büschel Stroh u. s. w. Die Operationen glückten, wie es schien, sämmtlich sehr gut, denn die Betreffenden, an denen sie vorgenommen worden waren, konnten allsogleich wieder die Reise mit dem Doktor Eisenbart fortsetzen, der uns vielleicht Morgen, am letzten Faschingstage noch einen Besuch macht.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Februar 1872, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2794-maskenzug-mit-scheinbarem-zahnziehen-und-strohentfernung-durch-den-1872).

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