Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHULHAUS OHNE STADTRECHT

SchulhauS in Mariahilf unbrauchbar; Neubau zu hohen Kosten nöthig

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. Juli 1872 · Seite 4
Ueber das SchulhauS in Mariahilf sagt das städt. Bauamt aus diesem Anlasse, daß bei dem gänzlich unbrauchbaren Zustande des bisherigen Schulhause « an Stelle desselben ein Neubau mit zwei Etagen aufgeführt werden müßte, welcher jedoch wegen beschränkten Raume» nur für 5 Schulsäle und der DienerS - Wohnung Raum böte, die Kosten hiefür würden sich auf 10. 492 fl. belaufen. ES könnten bei einem Umbau daher doch nur 4 gemischte Klaffen und allenfalls die Industrieschule untergebracht werden. Ueberdieß müßte diese Summe, mit der doch nur ein Halbes erreicht würde, in ein Gebäude hineingestcckt werden, da « nicht einmal der Stadt gehört; denn e» wurde von Frl. Mayrhofer testamentarisch nur so lange der Pfarrgemeinde zur Verfügung gestellt, als es zu Schulzwecken verwendet wird. Mit einer so großen Summe nur Halbes zu erreichen aber widerspricht den Grundsätzen einer weisen Oekonomie. Es erweist sich nach Ausscheidung jener Kinder, welche außerhalb des Stadtbezirkes wohnen und die Schule in Mariahilf besuchen, das Bedürfniß für diesen Bezirk eine eigene städt. Schule fortbestehen zu lasten, nicht so dringend, um die Kosten deS BaueS und die Bestellung von vier männlichen und vier weiblichen Lehrkräften rechtfertigen zu können. Es sollen ferner für St. Nikolaus vorzügliche Lehrkräfte gewonnen werden und dadurch und durch Hinzutügung einer 4. Klaffe ein Aequivalent für den weiteren Weg der Schulkinder von Mariahilf nach St. Nikolaus geboten werden. Auch findet durch die Zuweisung der im Bezirke Mariahilf wohnhaften und in den Schulen der inneren Stadt nicht Aufnahme findenden Kinder keine Ueberfüllung der Schule in St. Nikolaus statt. Wäre es jedoch ohne empfindliche Opfer von Seite der Stadt möglich, den in benachbarten Schulgemeinden wohnhafien Kindern die Voriheile eines besseren Unterrichtes, als sie in ihrer Gemeinde erlangen können, zu gewähren, Ihr Schul - Comitä würde gewiß auf Mittel gesonnen haben, diese anscheinend harte Maßregel zu umgehen. Allein wie die Dinge stehen erschien die Annahme dieser Maßregel als durch ein Gebot der Nothweodigkeit diktirt, denn bei aller Geneigtheit, die Wohlthaten eines guten Schulunterrichtes auch solchen zu gewähren, für welche zu sorgen die Stadt keine Verpflichtung hat
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Juli 1872, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2895-schulhaus-in-mariahilf-unbrauchbar-neubau-zu-hohen-kosten-noethig-1872).

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