Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHULSTREIT MIT PFARRER UND PFADZÄHLEN

Ersuchen um Erhalt der Pfarrschule zu Mariahilf mit 91 Unterschriften gestützt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. Juli 1872 · Seite 3
Schultern erstattet Bericht über das mit 91 Unterschriften versehene Ersuchen des Herrn Pfarrer » von Mariahilf um Belaffung der dortigen Schule, welche bekanntlich mit nächstem Schuljahre mit der Schule in St. Nikolaus vereinigt werden soll. Diese » an den Magistrat gerichtete Ersuche « stützt sich im Wesentlichen auf folgende Gründe: 1. Die Pfarre zu Mariahilf mit 1900 Seelen habe den gerechtesten Anspruch auf eine eigene Schule. 6 « sei etwa« Unnatürliches eine SeelsorgS - Gemeinde von % Stunden Ausdehnung —vom Pulverthurm bis zum Turnus - Bereiashause — ohne eigene Schule zu belassen. Seit Errichtung der Seelsorge Mariahilf ( im Jahre 1780) wurde auch für eine Schule gesorgt, mit der zwar Anfang » die Schule von St. Nikolaus vereinigt gewesen sei, aber das Schulgebäude habe sich immer in der Gemeinde Mariahilf befunden; Unzukömmlichkeiten und Reibungen haben aber im Jahre 1852 zur Trennung der zwei Schulen geführt, dadurch haben beide Schulen, namentlich die von Mariahilf gewonnen. Es sei daher nicht zu begreifen, wie manUebelstände die man mit Opfern behoben habe, durch die Wieder - Bereinigung der beiden Schulen wieder Hervorrufen wolle. 2. Da » künftige Schulhaus befinde sich nicht mehr im Pfarrbezirke Mariahilf etwa in der Mitte zwischen den beide» Seelsorgen, sondern am äußersten Ende in St. Nikolaus, wohin Kinder die nächst dem Pulverthurme wohnen sicher % Stunden Wege » zu machen haben. DaS seien Zustände, wie sie wohl auf dem Lande Vorkommen können, aber nicht in der Provinzial - Hauptstadt geschaffen werden sollen. 3. Gehöre der Aubeztrk zwar zur Gemeinde Hötting, aber in seelsorglicher Beziehung zur Pfarre Mariahilf und da diese Gemeinde - Parzelle keine eigene Schale habe, so wären die dortigen Kinder verpflichtet, die Pfarrschule zu besuchen, worauf jeder Seelsorger dringen müffe, wenn er anders einen günstigen Gnfluß auf die Jugend üben soll. 4. In Folge dieser Bereinigung der beiden Schulen müssen entweder die Katecheten von Mariahilf sich nach St. Nikolaus begeben um dort Religions - Unterricht zu ertheilen, oder er müffe der Geistlichkeit von St. Nikolaus überlaffen bleiben. Im ersteren Falle sei es nicht nur für die Katecheten sehr zeitraubend mehrmals in der Woche einen so weiten Weg machen zu müffen, sondern auch für die Bewohner von Mariahilf wenn sie ihre Eooperatoren zu den priesterlichen Verrichtungen bei Kranken und Sterbenden, wo oft schnelle Hilfe nothwendig sei, aus so großer Entfernung rufen zu müffen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Juli 1872, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2894-ersuchen-um-erhalt-der-pfarrschule-zu-mariahilf-mit-91-1872).

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