Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DAMPFBOAT GEHT NACH NORDPOL

Abfahrt der österreichischen Nordpol-Expedition vom Tegetthoff in Tromsö und Beobachtung von Eis in 74°15′ nördlicher Breite

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 19. Oktober 1872 · Seite 17 · #Expeditionen
Mtterhaitungs - Blatt. Brsterreichische Nordpol - Expedition. Mitgetheilt vom Oberlieutenant Julius Payer. (Aus der fr. Pr. ") Am 13. Juli hatte die Expedition in Tromsö *) alle die beabsichtigten Ergänzungen in der Ausrüstung beendet, der Harpunier Carlsen war an Bord, die Kohlenbunker nachgefüllt, die massive Holzverkleidung der Wanden nach Weyprecht ' S Wunsch at sgeführt und die letzte Post und Fracht aus Oesterreich eingeschifft. Am 14. Juli Morgens 12 % Uhr verließ der „ Tegetthoff " dampfend die stille kleine Hauptstadt des europäischen Nordens. Ein besonderer Lootse wurde jetzt entbehrlich, denn Carlsen kennt die Fahrstraßen des Qual und Gröt - Sunds und unter den Klippen Sandö, Rysö und Fuglö hinaus in ' s offene Meer durch zwanzigjährige Praxis. Als wir aus den Scheeren traten, kam Nebel und umhüllte den gewaltigen FelStburm Fuglö. Hier wurde das Feuer in der Maschine gelöscht, denn unser zwar ansehnlicher, aber für eine dreijährige Fahrt doch nur geringer Kohlenvorrath legt uns die Nothwendigkeit auf, uns des Dampfes selbst im Eise nur in den allerzwingendsten Fällen zu bedienen. Am 15. Juli segelten wir angesichts der gliederreichen norwegischen Küste nach Nordosten, am 16, kam das Nordcap in blauer Ferne in Sicht, in den folgenden Tagen trat etwas stürmische See ein. Am 20. Juli wurde der Jahrestag von Lissa in einfachster Weise gefeiert. Ungünstige Winde, welche schon seit dem Cap Stade im Norden von Bergen fast unausgesetzt geweht hatten, hielten uns auch jetzt wieder auf. Am 23. Juli verkündeten plötzliche Abnahme der Temperatur, trübes, regnerisches Wetter die Nähe des erst weit nördlicher erwarteten Eises, und am 25. Juli Abends erblickten wir dasselbe in 74. 15 Grad nördlicher Breite ( Lufttemperatur j - 0. 9, Waffertemperatur f * 1 Grad Reaumur), doch zunächst noch in hohem Maße vertheilt und leicht. Wir hatten es also noch nicht mit einer geschloffenen Eisgränze wie 1669 in Grönland oder 1871 im Osten Spitzbergens, sondern nur mit von den Nordwinden, welche bisher vorgeherrscht hatten, weit nach Süd getriebenen vereinzelten Eismaffen zu thun. Schon Tags vorher war das Krähennest ( eine Tonne, zum Auslugen nach dem Eise dienend) nahe dem Top des Gromastes befestigt worden. Als wir am 26. Juli unseren Cours in nordöstlicher Richtung verfolgten, lehrte uns das wenngleich immer leichter, doch dichter werdende Eis, daß dasselbe nicht, wie wir ursprünglich anzunehmen geneigt waren, ein durch Motoschkin Sharr aus dem kariC schen Meere herausgetriebener Compler sei, sondern daß wir es bereits
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. Oktober 1872, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2979-abfahrt-der-oesterreichischen-nordpol-expedition-vom-tegetthoff-in-1872).

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