Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GANZES DORF UNTER LAWINE

Unglücksfall auf Hahntennen: Fünf Wanderer von Schneelawine erdrückt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 13. Februar 1856 · Seite 5 · #Lawinen
Aus dem Oberinnthale ist uns nachstehende Unglücksbothschaft so eben zugekommen: „ Am 2. Februar, als am Feste Mariä Reinigung, um halb 1 Uhr Nachmittags brachen Joh. Köck, verwittweter Bauer, 66 V 2 Jahre alt, und sein jüngster und lediger Sohn Alois, 26 — 27 Jahre alt, ferner Josef Friedl, vulgo Knecht, verehelichter aber kinderloser Bauer, bei 56 Jahre alt, dann Joh. Lechleitner, vulgo Brandeggerle, verehelicht und ebenfalls kinderlos, Bauer, 47Vr Jabre alt und derzeit Kirchprobst, und der ledige Bauer Peter Paul Perl, 45 — 46 Jahre alt, sämmtlich Bewohner von Boden, guter Dinge und kein Unglück ahnend, in hastiger Eile bei schönem Wetter von Boden in Pfafflar auf, um Geschäfte halber noch rechtzeitig an demselben Tage über das Joch oder Hochthal Hahntennen nach Imst zu kommen. Unsere Wanderer wurden aber schon in einer Entfernung von 1V, Stunde von dort, nämlich auf Hahntennen, nahe hinter dem Gemeinde und Alpen - Gränz - Zaun links ( d. i. von Boden her gerechnet) auf der Imster Seite durch eine von einem übrigens unbedeutenden, nur etwa 10 — 12 Klafter hohen Hügel, herabstürzende, durch ihre Fußtritte veranlaßte Schnee. Lawine, ungefähr um 2 Uhr Alle überschüttet, erdrückt und erstickt, indem sie nahe am Hügel und ziemlich enge nach einander gingen. Dieselben wurden jedoch erst am nächstfolgenden Tage vor Tagesanbruch von 7 andern Bodenern, welche ebenfalls auf den bevorstehenden Markt nach Imst gehen wollten, an der bezeichneten Stelle unter der frisch gefallenen Lawine vermuthet, da sie keine weitern Spuren von den Fußtritten der gestrigen Wanderer mehr gewahrten. Sie schickten daher sogleich einen Eilbothen aus ihrer Mitte nach Boden zurück, um eiligst Mannschaft mit Schaufeln, Schlitten rc. zur Auffindung und Heimlieferung der wahrscheinlich Verunglückten aufzubiethen, während die Uebrigen an der Stätte des Unglücks verweilten und mit Stäben, Händen rc. in der Lawine nach den Vermißten suchten. Da die Verunglückten gar nicht tief — an einer Stelle nur beiläufig 2, an andern Stellen 3 — 5 Fuß — unter dem Schnee auf dem Angesichte oder auch seitwärts lagen, so wurden sie zwar bald und ohne große Mühe aufgefunden, waren aber schon alle 5 erstickt; ihre Leichen wurden deßhalb sogleich auf Schlitten nach Boden geliefert. — Sie sollen nun ruhen im ewigen Frieden! Zs.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. Februar 1856, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/302-ungluecksfall-auf-hahntennen-fuenf-wanderer-von-schneelawine-1856).

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