Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BRENNDER APOTHEKER IM KELLER

Tödlicher Brandunfall im Keller der Schöpfer'schen Apotheke durch entzündetes Benzin

8310 Der schon seit vielen Jahren in der Schöpfer ' schen Hof und Stadtapotheke bedienstete Pharmazeut, F. Schmid, begab sich kurz vor 5 Uhr Abends in den zum eigentlichen Keller des Hauses führenden Vorkeller, wo die Materialien für die Apotheke aufbewahrt werden, um eine Flasche mit Benzin zu holen. Er langte diese mit einer Hand von einer Stellage herab, und griff, da er glaubte, sie entschlüpfe ihm, mit der andernHand, in der er das Acht dielt, zu, stieß aber dabei unglücklicher Weise an die Flasche, welche zerbrach. Das herausströmende Benzin entzündete sich am Lichte. Schmid stand im Nu in Flammen und seinem auf den Hilferuf aus der Apotheke herbeieilenden Kollegen gelang es nicht mehr die Flammen zu ersticken, so daß Schmid zwar noch lebend, aber schrecklich verbrannt, aus dem Keller heraufgebracht wurde. Der aus Letzterem dringende Rauch hatte unterdessen rie Bewohner der Nachbarschaft aufgeschreckt und vom Stadtthurm ertönte das Feuersignal. Die freiwillige Feuerwehr war alsbald am Platze, ebenso erschien auch gleich die vorgeschriebene militärische Assistenz unter Führung des Inspektions - Offiziers. Der Brand im Keller wurde bald gelöscht, doch sind natürlich die darin vorhanden gewesenen Materialien total zerstört. Um 6 Uhr konnte die Feuerwehr, da jede Gefahr beseitiget war, mit den Spritzen bereits wieder abrücken; dos Militär war schcn früher entlassen worden. Se. Epcellenz der Herr Statthalter Graf Taafie war ebenfalls alsbald, nachdem das Feuer signalisirt worden war, am Brandorte erschienen und erkundigte sich auf das Theilnahmsvollste nach dem Zustande des unglücklichen Schmid, der sofort auf die Klinik des Spitales übertragen worden war, hier aber heute Morgens seinem schrecklichen Leiden erlag. Daß der Brand im Schöpfer ' schen Keller bald gelöscht wurde, war ein Glück, denn eine Feuersbrunst in der Altstadt ist jedenfalls immer sehr gefährlich, umsomehr, als, wie wir erfahren, in den Kellern verschiedener in diesem Stadttheile und insbesondere am Stadtplatze befindlichen Handlungen, große, ja geradezu polizeiwidrig große Vorräthe von Petroleum, trotz behördlichen Verbotes sich vorfinden sollen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Dezember 1873, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3248-toedlicher-brandunfall-im-keller-der-schoepfer-schen-apotheke-durch-1873).

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