(Civilbegräbniß) Den in der ganz jüngsten Z it, nämlich erst in der verflossenen Woche in Oesterreich vorgekommenen 3 Fällen von Begräbnissen ohne geistliche Aflistenz — des Baron WeichS in Linz, des Spazappan in Wippach und des Knechtes Ignaz Jnnwinkl in Lienz — hat sich nun hier ein vierter Fall angereiht. Der bei dem Brande im Schöpferischen Hause am Donnerstag verunglückte Pharmazeut Georg Schmitt, ein gebürtiger Baier, hatte auf seinem Todbette den geistlichen Beistand abgelehnt. In Folge deffen hielt sich der s > rr Dekan verpflichtet die geistliche Assistenz beim Begräbniffe zu verweigern, und auch der hier weilende Fürstbischof von Brixen, an den sich der Herr Dekan wandte, gab die Erlaubniß nicht. So mußte denn da- Leichenbegängniß ohne Intervention eine - Geistlichen stattfinden und wurde auf gestern y 2 5 Uhr Abends anberaumt, da in den früher au gegrbene« Partezetteln die Stunde de - Begräbniffe auf 3 Uhr angesetzt war, und eine Bekanntgabe dieser Abänderung durch die Zeitungen gestern nicht möglich war, geschah selbedurch eigene andenStaßeneckenangeschlagenePartezettel. Zur bezeichnet « « Stunde fanden sich dann auch die Freunde und Bekannten de - Dahingeschiedenen, sowie eine sehr große Menge anderer an dem Unglücke desselben theilnehmender Leute beiderlei Geschlechtes und aus allen Ständen ein. um demselben die letzte Ehre zu erweisen. Dichtgedrängt standen auch die Zuschauer am Ursulinen« graben und cm Jnnrain, um den langen Zug vorüber riehen zu kaffen. Dem auf einem von 2 Pferden gezogenen Trauerwagen ruhenden, mit Kränzen geschmückten Sarge, schritt die hiesige Regimentsmusik voraus. Zu den Seilen des Sarges bildeten die Bediensteten der hiesigen LeichenbestattungS Gesellschaft mit brennenden Lichtern Spalier. Dem ehemaligeu Corpsbruder der Burschenschaft „ Saxonia " in Würzburg, gaben auch die hiesigen 3 akademischen Korps das letzte Geleite. Auf dem Friedhofe, wo es bereits dunkelte, als der Leichenzug anlangte, sang der akademische GesangSverein, während der Sarg in das Grab gesenkt wurde, ein ergreifendes von Kapellmeister Berghrff eigen » komponirte» Trauerlied, womit die traurige Ceremonie endete.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. Dezember 1873, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3250-begraebnis-des-verunglueckten-pharmazeuten-schmitt-ohne-geistliche-1873).
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