Mit dem Engagement der Koloratur - Sängerin Frl. Roth hat Herr Direktor von Othegraven die ietzte Lücke in unserem heurigen Opernpersonale ausgefnllt. genanntes Fräulein debutirte als „ Lucia " in Donizetti ' S gleichnamiger Oper, und wollen wrr gleich hinzufügen, daß dieses erste Devut ungemein glücklich ausfiel, und es Frl. Roth gelang, durch ihre Erscheinung das Publikum sofort einzunehmcn und für die allgemein gekannte Oper ein bis zum Schluffe dauerndes lebhaftes Interesse wach zu halten. Wir warteten das Auftreten dieser Dame in einer zweiten Parthie ab, bevor wir an eine ausführliche Beurtheilung ihrer Qualitäten gingen. Frl. Roth verbindet mit einer thaufrischen Tugend eine sthr sympathische, in guter Schule gebildete Stimme; letztere ein weicher, hoher Sopran, ist kräftiger ln der Höbe als in der Mittellage und Tiefe; dazu stellen sich die Register als gut ausgeglichen dar. Zm lolorirten Gesang leistet Frl. Roth sehr vül Anerkennenswerthes; auf und ab ist ihre Skala korrekt, in Läufen und Sprüngen zeigt sie viel Sicherheit; sie läßt jede musikalische Phrase meist gut ausklingen, bringt die Cantilene schön zum Ausdruck und weiß sich durch Natürlichkeit in der musikalischen Auffassung, sowie den Mangel jeder Affektotion dem Hörer sehr angenehm zu machen. Bei all dem Guten uuo Schönen dürfen wir die Schattenseiten nicht übergehen, sie werden ja mehr als genug von den wirklich blendenden vorhandenen Eigenschaften ausgeglichen. Vor Allem muß sich Frl. Roth einer deutlicheren Aussprache befleißen, ihrem Bortrag etwas innigere Warme einhauchen und den Triller mehr auszugleichen suchen. Von einer Dame, die das erste Mal im Leben die Bühne, und dazu als „ Lucia " betritt, mehr Spiel zu verlangen, als Frl. Roth eben spielte, wäre unbillig, da Befangenheit und die in der Parthie der „ Lucia " zu bewältigende Akrobatik des Gesanges in solchem Falle alle Aufmerksamkeit der Debütantin absorbiren. Besser gelang schon in dieser Hinsicht die „ Adalgisa ", die von Frl. Roth anuändig gespielt, aber wärmer empfunden gesungen wurde. Das enthustasmirte Publikum wurde nicht müde, die glückliche Debütantin, besonders nach der Wahnstnns ^ Scene, während welcher „ Lucia " einen förmlichen Sprühregen glockenreiner Töne in den Theatersaal niederfallen ließ, durch wiederholte Hervorrufe auszuzeichnen, und somit auch die zwei kleinen Gedachtnißfehler, welche sich Frl. Roth während der ersten Lucia - Vorstellung zu Schulden kommen ließ, zu amnestiren. Wir haben mit aufrichtigem Vergnügen in die stürmischen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. Dezember 1873, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3251-erfolgreiches-debuet-der-koloratursaengerin-frl-roth-in-der-rolle-1873).
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