Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BENEFIZ, BLOOMS UND FRAU DIAVOLO

Aufführung des „Frauenkampfes“ und „Wallensteins Lager“ sowie Benefiz für den Tenor Witte-Wild

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 18. März 1874 · Seite 10 · #Schauspieler- und Sänger
etwa » breit ausgesponnen ist, bleibt das Interesse de » Publikums für die lebendige und spannende Handlung rege bi « zum Schlüsse. Hinsichtlich seines Erfolges ist zum großen Theil dieses Lustspiel auf die Darstellerin der Gräfin v Antreval, welche die Fäden der Intrigen während des ganzen Stücke? in Händen hält, angewiesen, welche Rolle nur eine tüchtige und routinirte Schauspielerin vollkommen bewältigen kann. Frl. Weiß spielte die Gräfin von Autreval als vollendete Weltdame, voll Liebenswürdigkeit und Grazie, mit künstlerischem Verständnisse und fein abgewogener Beredsamkeit. Recht gut war Frl. Kohrsen, welche in ihrer Rolle trefflich den rein quellenden HerzenSton traf, und mit wohlthuender Frische und ungezwungener Natürlichkeit die unschuldig liebende Leonie von Billegontier darzustcllen wußte. Offen und fretmülhig ihrer Tante gegenüber, hingebend und doch zurückhaltend, wo ihr Herz mitzusprccken hat, war diese Leonie des Frl. Kohrsen eine interessante Böhnenfigur. Die erheiterndste Wirkung erzielte Herr Direktor von Othegraven mit seiner Leistung als Gustav von Grignon. Schon seine äußere Erscheinung entfesselt» den Strom der Heiterkeit, die sich bei jedem seiner Worte permanent im Hause erhielt. Herr Wage war ein warmfühlender Heini; Herr Klöne kehrte als Montrichard den Polizeichef zu sehr heraus, ohne den französischen Kavalier in gleicher Weise zur Geltung zu bringen. Die Inscenesetzung und Aufführung diese « Lustspieles war eine treffliche, und macht sowohl dem Leiter unserer Bühne, als auch den Mitwirkenden alle Ehre. Dem „ Frauenkampf " folgte Schiller ' S „ Wallenstein ' s Lager ", welches schöne Gedicht für die Bühnen - Aufführung stark gekürzt werden mußte. Alle Mitwtrkenden setzten ihr bestes Können ein, auf daß diese Dichtung möglichst würdig zur Durchführung gelange, und schufen durch ihre Bemühungen ein treffliches Ensemble, wa « für dieses Stück Lebensfrage bleibt. Speciell sei Herr Haidt erwähnt, der als Kapuziner ein gelungenes Genrebild zeichnete. Sehr effektvoll gestalte sich die letzte Scene dieses Stückes in Folge thätigen Eingreif ns unserer gesammten männlichen Opernmitglierer in den brillanten Schluß - Ehor. Da » zweite Benefize der verflossenen Woche fand für unseren um die heurige Oper wohlverdien ' en ersten Tenor, Herrn Witte - Wild statt. Seine Wahl fiel auf die den Innsbruckern aus vergangenen Zeiten in angenehmster Erinnerung stehende Oper: „ Fra Diavolo " von Auber. Der geistreiche Scribe hat für diese Oper das vortreffliche Textbuch geschrieben, und darin die Romantik de » Räuberlebens mit der seinen Komik de « Lustspiele » interessant verflochten;
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. März 1874, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3309-auffuehrung-des-frauenkampfes-und-wallensteins-lager-sowie-benefiz-1874).

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