Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAUERNBÜHNE MIT STARS UND TALENT

Kaiser Franz besucht Bauerntheater in Wilten, 1832

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. August 1874 · Seite 17
I « KN ocn A ' Vtt. Lterhaltungs - Blatt. I m Bauerntheater. *) (Schluß.) »WaS daS Personale, „ die Spieler ", anbelangt, so recrutirte sich dasselbe aus den verschiedensten Persönlichkeiten deS Dorfes und der Umgebung; wer Lust und Geschick dazu hatte, that mit. Manches ursprüngliche Talent war darunter, daS stch einen weitverbreiteten Ruf erwarb; so hatten z. B. die Namen Brock von St. - Nikolaus, einer Vorstadt von Innsbruck, Popp von Arzl, Piquart von Thaur, Steirner von Wilten, LoiS Schuster von SistranS unter dem Volke einen guten ^ lang. Die Bezahlung der Schauspieler war ganz der Willkür deS Unternehmers ( gewöhnlich der Wirth) überlassen. So bekamen z. B. im Bauerntheater beim Rößl in der Au nächst Innsbruck die Träger der Hauptrollen für das jedesmalige Auftreten 1 st., kleinere Partien wurden mit 50 kr. bezahlt. Man kann stch denken, daß der Unternehmer, der jedeSmal ein gesteckt volles „ HauS" erzielte, dabei das beste Geschäft machte, umsomehr, als der Preis der Decorationen rc. ähnlich gestellt war. Man nahm eS übrigens in früherer Zeit mit diesen letzteren nicht sehr heikel, ebensowenig mit dem sonstigen Comfort. AlS noch das Bauerntheater in Wilten in Blüthe stand, beehrte einmal Kaiser Franz dasselbe mit seiner Gegenwart. ES war, glaube ich, im Jahre 1832. Der Musentempel befand stch beim NeuhauSwirth rückwärts im Hofe, wo zugleich ein Prachtexemplar von einem Misthaufen zu sehen war. Man deckte denselben für den hohen Gast einfach mit Taren zu, schlug ihn mit Sammi aus und errichtete darüber die Tribüne mit der Kaiserloge. Man konnte doch nicht „ dessentwegen" den Misthaufen forträumen, dachte daS naive und schlichte Bauerngemüth. In der Malerei der Scenerien hatte sich der geniale Gmundler damals selbst übertroffen, auch die Musik ließ nichts zu wünschen übrig. Die Virtuosen erhielten je einen Zwanziger für die Vorstellung und dafür bliesen sie stch die Seele heraus. Die Wahl der aufzuführenden Schauspiele und Tragödien brachte einen bäuerlichen Regisseur nie in Verlegenheit. Dasselbe Drama wurde meist fünfbiS sechsmal nach einander aufgeführt, woraus man aber durchaus nicht auf Mangel an Stücken schließen darf; im Gegentheil, der Vorrath an solchen war und ist noch unerschöpstich. Man sollte eS gar nicht glauben, wie fruchtbar sich mancher Dorfpoet erwies. Ein Kohlenarbeiter zu Kramsach verfaßte 30 Stücke, die mit vielem Beifall über die Bretter gingen. Eine ländliche Charlotte Birch - ^ Pfeiffer lebte noch vor wenigen Jahren in Hötting. Sie war einst selbst „ Spielführerin " deS Bauerntheaters in Büchsenhausen und beschäftigte sich
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. August 1874, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3371-kaiser-franz-besucht-bauerntheater-in-wilten-1832-1874).

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