Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KINDERTAGE MIT KLAPPE

Mangelnde Räume für Kindergarten und Kinderbewahr-Anstalt in Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. August 1874 · Seite 4 · #Kindergarten
2044 als gerade zu diesem; denn abgesehen davon, daß der Kindergarten, besonders im Fasching, durch die beinahe allabendlichen Unterhaltungen in diesen Räumlichkeiten oftmalige Unterbrechungen erleidet, ist der längere Aufenthalt in diesen Zimmern aus Ursachen, die Allen denen, welche dieselben aus eigener Anschauung kennen, bekannt sind, den Kindern in so zartem Alter in gesundheitlicher Beziehung nicht zuträglich, und die Erfahrung der zwei Jahre, in welchen der Kindergarten in diesen Räumlichkeiten gehalten worden ist, hat dieses Urtheil über diese Lokalitäten nicht entkräftet. Es ist daher sehr begreiflich, daß Eltern, deren Kinder schwächerer Konstitution sind, oder zu Krankheiten neigen, lieber auf den Kindergarten verzichten, so sehr sie auch dessen Werth zu schätzen wissen, als die Gesundheit der Kinder zu gefährden. Wo ist aber ein anderes Lokale in Innsbruck, das zu dem Zwecke benützt werden könnte? Wir wissen keines. — Nicht besser als der neuen Einrichtung des Kindergartens geht es dem alten Institute der Kinderbewahr - Anstalt. Die Kinderbewahr - Anstalt der inner » Stadt mußte Heuer auch aus ihrem Winkel hinter dem städtischen Bruderhause ausziehen und wurde im sogenannten Malersaale des Theaters untergebracht, eine Nothherberge wohl nur für den Sommer; denn das sehr bescheidene Gebäude der Anstalt mußte vergrößert und Blatternkranken als Spital eingeräumt werden. Da es mit dem Baue des neuen akademischen Spitales noch gute Wege haben wird, so dürfte das Gebäude der Kinderbe wahr - Anstalt wohl noch geraume Zeit entweder ganz, oder vielleicht mit zeit weiliger Unterbrechung ein Annex des städtischen Spitales bilden und die Kinderbewahr - Anstalt wird entweder ganz oder auch zeitweilig delogirt werden müssen. In beiden Fällen ist auch ihr ein anderes Lokal unbedingt noth wendig, soll sie fortbestehen. Daß ein solches aber eben so schwer jetzt zu finden ist, wie für den Kindergarten, beweist der Umstand, daß sogar der Malersaal des Theaters dem kleinen Volke seine Flügelthüren öffnen mußte. Unter sothanen Verhältnissen wäre es daher wohl das Beste, wenn ein geeigneter Platz ausfindig gemacht würde, und deren gibt es schon in der Stadt, auf dem ein Bau gemeinschaftlich für die Kinderbewahr - Anstalt und für den Privat Kindergarten aufgeführt werden könnte. Die Unterbringung beider Anstalten unter einem Dache und zwar so, daß sie sich gegenseitig nicht im Wege um gehen, bietet keine Schwierigkeit, ebensowenig wie die Beschaffung der Mittel zum Baue, über die wir, um uns keine Indiskretion zu Schulden kommen zu lassen, kein weiteres Wort
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. August 1874, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3372-mangelnde-raeume-fuer-kindergarten-und-kinderbewahr-anstalt-in-1874).

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