8540 gelegt werden, sondern daß auch hier alle Bedingungen zur Existenz, ja sogar zur Blüthe eines derartigen Vereines vorhanden sind. Der Ausschuß erlaubt sich daher den Vorschlag zu machen, daß durch eine Anzahl von Theilnehmern nach den Prinzipien des Genossenschafts - Gesetzes ein Fleischhauer - Gewerbe dahier errichtet werde. Theilnshmer an dieser Genossenschaft ist Jedermann, der in den Genossenschaftsfond 20 fl. einzahlt. Diese Einzahlung wird nach Maßgabe des Reingewinnes verzinst und gewährleistet ein Anrecht auf die von der Genossenschaft ihren Antheilnehmern zu bietenden Bortheile, nämlich gutes billigeres Fleisch und entsprechenden Äntheil am Reinerlrägnisse des Geschäftes. Dieses ist aber nur einer der Zwecke, die durch den Verein äuge irebt werden, derselbe hat noch ein viel weiteres Ziel im Auge, als nur dem Genossenschafter einen persönlichen Vortheil zu bieten; der Verein soll der Regulator der Fleischpreise für Innsbruck werden, er soll für alle Zukunft der Ausbeutung des Publikums von Seite eines Gewerbes mit dem notbwendigsten Lebensmittel einen Damm setzen; es soll durch denselben den Fleischhauern ein selbstständiger Konkurrent geschaffen werden, auf dessen Preise sie im Interesse ihres eigenen Geschäftes werken Rücksicht nehmen müffen. Dadurch soll aber keineswegs dem Fleischhauer - Gewerbe eine Konkurrenz um jeden Preis geboten und dessen Existenz unmöglich gemacht werden, der Verein will es nur auf ein Begnügen mit dem bürgerlichen Gewinn zurückführen. Wie groß die Wohlthat ist, welche dadurch der Bewohnerschaft Innsbrucks zu Theil werden soll, werden nachstehende Ziffern in beredtester Weise darthun. Der jährliche Verbrauch von Rindfleisch in Innsbruck kann gering mit 14,000 Centner angenommen werden. Gelingt es dem Vereine, die Fleischpreise nur um 2 kr. für das Pfund herabzusetzen, was, obne dem Fleischhauer - Gewerbe wehe zu thun, nach den genau angesiellten Berechnungen leicht möglich ist, so resultirt hieraus für die Bevölkerung Innsbrucks ein jährliches Ersparniß von 28. 000 fl. nur beim Rindfleisch allein, abgesehen von den beim Kleinvieh zu erzielenden Ersparnissen. Ein Erfolg, der für die Gründung des projektirten Vereines eindringlich genug spricht. Durch den Verein soll aber nicht nur billigeres, sondern auch besseres Fleisch als man bisher hier genossen hat, eingeiührt werden; ein Bestreben, dessen Vortheil sich zwar nicht ziffermäßig feststellen läßt, der aber in Anbetracht des größer » Nahrunqswertbes des besseren Fleisches jedenfalls den früher berechneten weit überwiegt. Der Verein wird für seine Theilnehmer nebst Mastochsenfleisch alle hier gangbaren Sorten Fleisch von Kleinvieh ausschroten. Die Schwierigkeiten, welche sich einem solchen Unternehmen entgegenstellen, hat sich das vorbereitende Comita wohl vor Augen gehalten, doch sind dieselben in keinem Falle unüberwindlich. Innsbruck stünde mit diesem Vereine nicht allein da, es hätte nicht mit etwas ganz Neuem erst zu experimentiren. In Klagen fnrt besteht bereits seit einem halben Jahre eine solche Genossenschaft, sie gedeiht und blüht und hat der dortigen Bevölkerung die auch hier angestrebten Vortheile und Wohlthaten im vollsten Maße gebracht, ohne die dortigen Fleischhauer zu Grunde gerichtet zu haben. In Klagenfurt schrotet der Verein gegenwärtig für das Publikum daS Pfund hinteres Mastochsenfleisch zu 28 kr., vorderes zu 26 kr., für Mitglieder der Genossenschaft beide Fleischsortcn um 2 kr. billiger, also um 26 und 24 kr. aus. Und bei diesem Preise ist das Fleisch noch von bedeutend besserer Q alität als es dort früher war.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. Dezember 1874, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3430-vorschlag-einer-fleischhauer-genossenschaft-zur-preissenkung-und-1874).
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