Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FLEISCHPREIS-GEFECHT INNBRÜCK

Kritik an der Gründung eines Fleischconsumo-Bereines in Innsbruck

T8S. Eingesandt. In Nro. 284 des „ Innsbrucker Tagblattes " lesen wir eine Einladung zur Gründung des Fleischconsumo - Bereines in Innsbruck, in welcher Herr Gaßner bedauert, daß ein Bürger gegen den andern feindselig auftreten muß, un? dadurch sein Geschäft zu Grunde richtet. Er soll aber um uns nicbt so bekümmert sein, er kann uns doch nicht helfen; dieses Auftreten ist noch kein Bürgerkrieg, sondern nur eine Anschauung gewisser Leute, welche durch Unkenntniß mancher bervorgerufen wird. Die Unhaltbarkeit dieses Vereines ist ja schon eine altbekannte Sache, er ist ja schon bestanden und ist wieder untergegangen; nun jetzt scheint ev, wie in der Ankündigung des im Umlauf befindlichen Zettels dem Publikum vorgeschwindelt wirb, daß sie den Vogel schon in der Hand und die Haut schon verkauft haben, bevor sie den Bären geschossen haben. Daß die Herren gut rechnen kennen, das glauben wir schon, sie sind ja studirt, können Andern schöne Worte vorsprechen und Einladungen an selchen Unternehmungen, welche Tausende von Gulden versprechen, ergehen lassen, daß Mancher, der es liest, ganz wie verzaubert dasteht und weiß nicht, was er thun soll, um feinen Zorn über diese Geschäftsleute auszulassen. Meine Herren! Die Sache wird sich in praktischer Ausführung ganz anders zeigen, als sie auf dem Papier hcrauskommt, da wird nicht alles Gold sein, was glänzt. Die Herren htzben schon die Berechnung gemacht, nicht nur billigeres Fleisch, sondern auch besseres zu liefern, als die Fleischhauer in Innsbruck. Diesen Punkt kann man nur dem Unverstand zuschreiben, und man sieht, wenn ein Mensch nichts vom Fach versteht, waö für einen Unsinn er zusammen plauscht. Also das gewählte Comilö des Consum - Vereins wird es in die Hand nehmen und wird findige Leute ausschicken zum Einkäufen; aber wie sie es anstellen werden, und wie sie es kennen, welcher Ochs das bessere Fleisch hat, bleibt uns ein Räthsel; einmal von außen kennen sie es nicht, da müßt halt einer hineinschliesen und kosten, ob er gut und fein ist. Aber ob der Bauer dieses thun läßt, ist wieder eine Frage. Denn wird der Ochs nicht für gut befunden, so kaufen sie ihn nicht, und ein anderer Metzger kann ihn auch nicht brauchen, da wird bei ihm Niemand mehr einkaufen, wenn die Leute erfragen würden, daß derOcks probirt worden ist und kein guteSFleisch hat.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. Dezember 1874, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3431-kritik-an-der-gruendung-eines-fleischconsumo-bereines-in-innsbruck-1874).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Bergbau, Handwerk & Landwirtschaft“

HUCHENJAGD BEIM LAICHEN

Glücklicher Schuß eines Huchens an der hohen Brücke am ärarischen Holzrechen

Innsbrucker Nachrichten · 4. April 1874 · S. 4 · Bergbau, Handwerk & Landwirtschaft

(Glücklicher Schuß.) Vor einigen Tagen glückte es einem in Sachen der Fisch « und Schießkunst wohl bewährten Individuum von der hohen Brücke am ärarischen Holzrechen, dort, wo die Flöße denselben passiren, einen Huchen i …

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