Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BÜRGERMEISTER WIRD ZUM SELBSTBESTIMMTER KOMPLIZIERT

Wiederwahl des Bürgermeisters Tschurtschenthaler und Ernennung des Vicebürgermeisters Dinter

1285 nach Wunsch gelungen, so möge man das mit Nachsicht beurtheilen, es gebe eben keinen Mann, der es als Bürgermeister Allen recht machen könne. Er dankte dem Gemeinderathe für die ihm zu Theil gewordene Unterstützung und den städtischen Beamten für ihre Mitarbeit. G. - R. Schumacher gab dem Bedauern Ausdruck, das diese Mittheilung in der Versammlung hcrvorgerufen hat. Unter der 6jährigen Amtsführung des Bürgermeisters sei die Stadt zu erfreulicher Blüthe gelangt, deren Interessen er nicht nur wie ein pflichttreuer, gewissenhafter Verwalter, sondern auch im Geiste eines intelligenten Geschäftsmannes wahrgenommen und gefördert habe. Es sei doppelt schmerzlich, einen Mann, besten Sinnen und Denken so innig mit den städtischen Unternehmungen verwebt sei, von der Leitung der Geschäfte jetzt zurücktreten zu sehen, wo man sich vergebens um einen Ersatz umblickt. Dr. Tschurtschenthaler sei gegenwärtig als Bürgermeister unersetzlich und er bitte ihn daher, bis ein Ersatz für ihn gesunden sein wird, eine Neuwahl wieder anzunehmen. Die ganze Versammlung — auch die klerikale Minorität — erhebt sich von den Sitzen, um diese Bitte zu unterstützen. Der Bürgermeister erklärt sich, nachdem er in letzter Stunde von Freunden bestürmt worden sei, unter der Bedingung eine Neuwahl anzunehmen, daß ihm ein 2monatlicher Urlaub bewilligt und einem früheren Rücktritte vom Amte als nach drei Jahren kein Hinderniß in den Weg gelegt werde. Bet der hierauf erfolgten Wahl wurde Dr. Tschurtschenthaler mit 22 Stimmen von 26 wieder zum Bürgermeister gewählt; von der Minorität wurde ein leerer und 3 auf Gemeinderath Mahr lautende Stimmzettel abgegeben. Hierauf schritt man zur Wahl des Vicebürgermeisters; als solcher erhielt Dr. Dinter 23 Stimmen, die Minorität gab ihre Stimme dem Gemeinderathe Nußbaumer, es wurde die Beeidigung des Vicebürgermeisters sofort vorgenommen, der für die ihm zu Theil gewordene Ehre dankte und ehrlich am Aufblühen der Stadt mitzuarbeiten versprach.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. Mai 1875, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3496-wiederwahl-des-buergermeisters-tschurtschenthaler-und-ernennung-des-1875).

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