Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BADEN MIT KARTE UND KONTROLLE

Neue Ordnung im Freibad mit zeitlichen Beschränkungen und Abendstunden für Frauen

1294 Badenden bestimmten Raum des Teiches nicht überschreiten. Kein Besucher deS Freibades darf länger als l * / 2 Stunden in der Anstalt verweilen. Die Schüler haben nicht die Wahl des Lehrers, sonder « der Ober - Schwimmmeister bestimmt, wer sie unterrichten soll, und sie erhalten dann den Unterricht der Reihenfolge nach, wie sie sich gemeldet haben. Ein Schüler, der sich der Aufsicht seines Lehrers entzieht und ohne von diesem von der Leine freigelassen J « sein, im Schwimmroume frei schwimmt, ist seiner Karte und jedes Anspruches auf ferneren Unterricht und Besuch der Anstalt verlustig. Wer von dem höchsten Sprungbrette herunterspringen will, hat das erstemal dies vorher dem Ober - Schwimmmeister anzuzeigen. Niemand darf den Andern bespritzen, nntertauchen, oder auf sonstige Weise belästigen. Ebenso ist alles Lärmen, Schreien und Laufen in der Anstalt untersagt. Keine Zelle darf länger als 1 % Stunden benützt, noch verunreinigt oder muthwiüig beschmutzt und beschädigt werden, und werden solche nur an Erwachsene und an Knaben nur in Begleitung von Erwachsenen abgegeben. Muthwillige Beschädigung der Bänke, Kleiderrechen, Tische und sonstigen Geräthe der Anstalt ist strengstens untersagt. Zuwiderhandelnde werden der Obrigkeit angezeigt und zum Ersätze verhalten. Die Besucher der Freistunden haben keinen Anspruch auf Benützung der Zellen. Der Schwimmteich darf weder durch Hineinwerfen von Cigarrenstücken, Ausklopfen von Pfeifen, Hineinspucken, oder auf irgend eine andere Weise verunreinigt werden. Der Gebrauch der Seife ist nicht gestattet. Hunde dürfen nicht in da « Wasser de« Schwimmteiches gelassen werden. — Die Neuerung, den Frauen zweimal in der Woche die Abendstunden einzuräumen geschah deßhalb, um auch solchen Frauen und Mädchen, welche Vormittags nicht beweist sind, wenigstens zweimal in der Woche Gelegenheit zum Baden zu bieten. Biele Frauen und Fräulein haben an den Vormittagen wegen häuslicher Geschäfte, viele Fräulein und Mädchen wegen der Schulstunden keine freie Zeit und die Rücksicht auf diese war es, welche die Abänderung der bisherigen Stundeneintheilung veranlaßte. Wird find überzeugt, das im Uebrigen sehr bevorzugte männliche Geschlecht wird galant und einsichtsvoll genug sein, um diese Neuerung vollständig gerechtfertigt zu finden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. Mai 1875, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3497-neue-ordnung-im-freibad-mit-zeitlichen-beschraenkungen-und-1875).

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