Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FROHNFESTE ZU ENG FÜR 100 HAFTLINGE

Zustand der hiesigen Frohnfeste wegen Überfüllung beunruhigend – Diskussion über Nutzung von Rathhausräumen als Kerker

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Jänner 1877 · Seite 5
Es kam dann eine Zuschrift des Landesgei ickts - Präsidium dahier zur Verlesung, in welcher die traurige Thatsache konstatirt wird, daß wegen stets zunehmender Zahl der Strafsachen die hiesige Frobnfeste zu enge geworden ist. Dieselbe bietet für höchstens 70 Häftlinge Raum, sie müsse aber gegenwärtig ganz sanitätswidrig von meh als 100 Verhafteten bewohnt werden, ja es war die Zahl derselben bereits einmal auf 124 gestiegen. Leiter sei keine Abnahme zu erwarten, eine Vermehrung der Kerker sei daher unbedingt nothwendig Im 3. Stock des Rathshauses, resp. im Stadtthurme befinden sich zu Gesängnissen geeignete Lokalitäten für 18 bis 20 Häftlinge. Das Prä sidium fragt an, zu welchen Bedingungen die Stadt geneigt wäre, dieselben zu diesem Zwecke zu überlassen. Gem R. Falk spricht dagegen. Die hiesige Frohnfeste spricht nicht nur der Humanität, sondern auch der neuen Strafprozeß Ordnung Hobn. Die Regierung solle eine neue Frohnfeste bauen, damit nicht gebildete Untersuchungs- Häftlinge die Zelle mit gemeinen Verbrechern theilen müssen, wie das hier vorkomme. Man solle nicht die Hand bieten, solche Zustände zu verlängern, und deßhalb beantrage er, auf die Vermiethung dieser Lokalitäten nicht cinzugehen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Gem. - R. Dr. Blaaö beantragt, die in jenen Räumlichkeiten aufbewahrten alten städt. Gewehre zu verkaufen, wird ebenfalls angenommen ( Schluß folgt -) Fit.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Jänner 1877, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3715-zustand-der-hiesigen-frohnfeste-wegen-ueberfuellung-beunruhigend-1877).

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