Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
INNSBRUCK VOM 15. JULI 1577

Neujahrs-Entschuldigungskarte der Stadt Innsbruck zeigt Ansicht von 1577

(Neujahrs - Entschuldigungs - Karte.) Auf die diesjährige Neujahrs - EntschuldigungS - Karte der Stadt Innsbruck wurde sowohl, was die Wahl des dargestellten Gegenstandes, als auch die Ausführung betrifft, ganz besondere Sorgfalt verwendet. Sie gibt uns eine getreue Ansicht der Stadt vom Jahre 1577, also gerade vor 300 Jahren. Sie wurde angefertigt nach dem im Palazzo vecchio in Florenz befindlichen Bilde, welches der Herzog von Florenz nebst andern Ansichten ti olischer und österreichischer Städte zur Ueberraschung seiner Braut, einer Tochter K. Ferdinand I., welche in Innsbruck erzogen wurde, malen ließ. Wo dieses Bild, w lches durch den Zahn der Zeit und durch eine nicht glückliche Restaurirung vielfach gelitten hat. nicht ausreichte, wurden andere Ansichten der Stadt aus jener Zeit zu Rathe gezogen und benützt. Die Stadt Jnsbruck erscheint hier noch mit Mauern und Gräben und den vier Thoren und Thorthürmen, Jnnthor, Pickenthor, St. Jörgenthor und Burgthor ( Wappenthurm) umgebe ». Alle Profan und Kirchthürme und Thürmchen tragen mit Ausnahme des „ Nmbaus " ( Franziskaner Kirche) noch hohe, spitze Dächer, selbst die Erker am Stadtthurme und an dem thurmartigen Gebäude, welches heute den Namen Ottoburg führt, sind mit zugespitzken Dächlein versehen. Vor dem Jnnthor, Hort an der Brücke steht auf Pfählen die alte hölzerne Fleischbank, auf der Brücke selbst und zwar auf dem für Verbrecher verhängnißvollen dritten Pfeiler das für die Stadtgeschichte interessante kleine Häuschen. Von der Ottoburg, jetzt Jnnkaferne, bis zum Pickenthor stehen noch keine Häuser auf der Stadtmauer. An Stelle des jetzigen Ursulinenklosters erscheint der mit 4 Erckern geschmückte Ansitz Hechtenburg. Diesseits des Inns, gleich am Ausgang der jetzigen Mariahilfstraße stehen die „ Schießstätten ", der Gießen geht noch bis an die Ecke dies r Straße herein. Die alte Pfarrkirche steht auf demselben Platze, aus dem die heutige steht, doch erscheint sie im gothischen Style erbaut, der früher an dieselbe anstoßende Friedhof dagegen befindet sich bereits außer der Stadt. Von den Befestigungsthürmen jener Zeit hat sich nur mehr der Kreuterthurm ( wahrscheinlich von der im 15. Jahrhundert blühenden Innsbrucker Familie Kreuter so benannt) erhalten und zwar fast unverändert.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Dezember 1877, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3853-neujahrs-entschuldigungskarte-der-stadt-innsbruck-zeigt-ansicht-von-1877).

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