Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BRIEFE AUS DEM BOSNISCHEN SCHRECKEN

Kriegsberichte aus der Herzegowina – Ein Kaiserjäger schildert Gefechte und Märsche der 18. Divison

Briefe vom Kriegsschauplätze in er Herzegowina. Die 18. Truppendivision unter dem Kommando des FM8. Jovanovac, bei welcher sich auch das 3. Kaiserjäger - Bataillon befindet, ist bekanntlich mit der Besetzung der Herzegowina von Dalmatien aus betraut. Ein Kaiserjäger hat an seine Angehörigen dahier über die Märsche und Gefechte des Truppenkörpers, bei dem sein Bataillon zugetheilt ist, sehr detaillirte Berichte eingesendet, welche uns von der betreffenden Familie in der freundlichsten Weise zur Benützung und Veröffentlichung überlassen wurden. Gewiß liegt es im Interesse aller unserer Leser, wenn wir die Briefe dieses unseres Landsmannes, dessen Wahrheitsliebe wir volles Vertrauen schenken dürfen, dem Inhalte nach möglichst getreu wieder geben. Der Titel unserer Publikation dürfte in der Sache selbst begründet sein. Im Lager 1 Stunde von Mostar, 26. August. Außer dem Gefechte von Citluk begannen die Insurgenten die Feindseligkeiten am 13. vor Stolac damit, daß sie die 8. Kompagnie des Buda - Pester- Regiments Este überfielen, und von der durch die unvergleichliche Sorglosigkeit ihres Hauptmannes wehrunfähige Truppe nebst dem Hauptmanne, dem Oberlieutenant, einen Lieutenant und Offiziers - Stellvertreter beinahe 80 Mann tödteten und auf kanibalische Weise verstümmelten. Am 16. nun marschirte unsere Brigade, die den Namen der „ fliegenden" mit Recht verdient, auf das Psateau, das sich zwischeu den Flüssen Narenta, Bunitza nnd Bregawa erhebt und der Schauplatz unserer vom 16. bis 21. dauernden Kämpfe war. Schon am 16. Abends konnten wir in weiter Ferne die Kanonen von Stolac hören, welche die Insurgenten bearbeiteten. Am 17. in aller Frühe hörten wir den Kanonendonner etwa 2 Stunden weit von nnserm Lagerplatze bei Dimonaic, und je näher wir rückten, desto deutlicher hörten wir das Knattern der Gewehrsalven der Unseren und das Brummen der Schüsse der Insurgenten. Man unterscheidet nämlich jeden Schuß von Insurgenten sehr leicht von dem aus einem österreichischen Gewehre, wie man auch aus dem Surren und Sausen einer über den Kopf fliegenden Kugel gleich erkennt, ob fie eine feindliche oder eine von den Unseren sei. Endlich kamen wir ani GesechtSschauplatze an und eS war höchste Zeit. Die zwei Bataillone, welche im Feuer standen, waren von den viel zahlreicheren Insurgenten beinahe umgangen. Schnell fuhr unsere Artillerie auf, und wir
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. September 1878, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3943-kriegsberichte-aus-der-herzegowina-ein-kaiserjaeger-schildert-1878).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Kriege & Landesverteidigung“

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |