Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ORDNUNG IM AUFRUHR

Blutige Gefechte in Bosnien nach österreichischer Besetzung

Zur TikgeSgeschtchte Oesterreich hat im Aufträge der europäischen Mächte auf Grund der Bestimmungen des Berliner Friedens, den auch die Pforte mitunterzeichnet hat, feine Truppen in Bosnien und die Herzegowina einmarschiren lassen, uni daselbst Ruhe und Ordnung herzustellen. Man suchte und hoffte diese Aufgabe zu erfiillen, ohne von den Waffen Gebrauch machen zu müssen. Indessen unterzog sich unsere Regierung dieser Aufgabe doch nicht in zu vertrauensseliger Weis «, sondern sie trug den Zuständen des Landes und der Gesinnung, Bildung und augenblicklichen Stimmung der Bevölkerung desselben, das Oesterreich zu besetzen, zu erlöse » und zu kultiviren übernommen hat, vollkommen Rechnung. Sie traf die umfassendsten Maßregeln, um ihre Aufgabe auch dann durchführen zu können, wenn sich die aus nationalen und religiösen Gründen fanatisirten Einwohner dem Unternehmen Oesterreichs widersetzen sollten. Friedlich gestaltete sich der Uebergang der Truppen über die Grenze aller Orts, es vergingen aber nur 5 Tage, als ein schmachvoller Berrach der Bevölkerung von Maglaj das Zeichen gab zu einem allgemeinen Volksaufstand, der seither schon große Opfer und viel Blut gekostet hat, in welchem sich aber auch die Tüchtigkeit unserer Armee und ihrer Führer auf das Glänzendste bewährt. Wie es sich herausstellt, haben es unsere Truppen nicht blos mit Banden, mit regellosen bewaffneten Schaaren, mit Insurgenten, mit Empörern zu thun, sondern auch ganze Bataillone regulärer türkischer Truppen stellen sich dem Vormarsche der Oesterreicher entgegen. Ob der Anführer derselben bekannt sei od « nicht; ob die Bevölkerung unter dem Kommando eines Generals oder dem Oberbefehle eines Abenteurers den Kampf ausgenommen habe: dieses ändert an der Thatsache, daß bereits mehrere hartnäckige und blutige Gefechte stattgefunden haben, auch nicht das Geringste. Die Mühen und Entbehrungen unserer braven Soldaten sind deswegen nicht kleiner und die Niederlagen, die ihr Kampfesmuth dem verzweifelt weichenden Feinde beibrachte, sind nicht bedeutungsloser. Daß fich ein Oesterreich er über die Waffenerfolge unserer Armee, nachdem man gezwungen ist, von denselben Gebrauch zu machen, freut, ist ganz selbstverständlich und entspringt dem natürlichen Drange des Herzens; ebenso erklärlich ist es, wenn die bange
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. August 1878, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3935-blutige-gefechte-in-bosnien-nach-oesterreichischer-besetzung-1878).

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