Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VILLERSPITZE ERSTKLIMMUNG UND GIPFEL-LEGENDEN

Mehrere schwierige Bergtouren in der Umgebung von Innsbruck im Jahr 1878

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 16. Jänner 1879 · Seite 5
" Alpines. In dem nun abgelaufenen Jahre 1878 sind in der Umgebung von Innsbruck zahlreiche Bergparthien unternommen, besonders aber von einigen erprobten Mitgliedern des Innsbrucker Alpenvereins sehr interessante, freilich auch sehr schwierige Touren ausgeführt worden. So erhielt die fast unnahbare Hohe Villerspitze ( zwischen Stubai und Fatscherthal, 9769 ') am 20. Juli von Herrn Karl Gsaller einen gewiß ihr ungewohnten Besuch, da sie vorher vielleicht noch nie, höchstens aber bloß von einem Gemsenjäger erstiegen worden; touristisch ist also diese Besteigung die erste. Die hohe Villerspitze imponirt durch ihre furchtbare Steilheit, so daß es im Volksliede heißt: „ Der Hager ( Habicht) bei Gschnitz und die Villerspitz und die Martinswand sein die heachsten im Land " und wirklich sind alle diese drei Erhebungen durch ihren steilen Aufbau bemerkenSwerth. In der nördlichen Kalkalpenkette erklomm anfangs September Herr Karl Wechner den Roßkopf, zwischen Stempel und Lafatscherjoch, circa 8. 100 ', der, zum erstenmal von Barth aus München besiegt, seither nie wieder erstiegen worden war. Er tritt dem Besucher dtS HallthaleS, in der Gestatt dem kleinen Solstein etwa « ähnelnd, als kühner Thurm, von tiefen Karen umlagert, vor die Augen. Ende Juni wurde von den Herren Julius Pock, Beruh. Tützscher und Karl Wechner das Roßjoch im obersten Theil des Hinterauthals, nördl. vom sog. Halleranger, betreten, ein Berg, welcher trotz der schönen Fernsicht seit den Entdeckungsfahrten des thatkräftigen Barth nicht mehr besucht worden. Das den Innsbruckern besonders in die Augen fallende, massig aufgebaute, trotzige Speckkor wurde mit feiner höchsten Kuppe, der großen Bettelwurf ( kor) spitze ( 8. 748 ') Heuer sogar mehrrremal bezwungen. Dieser rauhe, gewaltige Koloß gehört zu den höchsten, aber auch ungangbarsten Erhebungen in den nördlichen Kalkalpen. H. v Barch,, per eiserne Durchforschet dieser ganzen Gebirgskette, ( f in Afrika) erstieg die höchste Spitze des SpeckkorS 1870 und fand erst 1875 an Lergetporer aus Schwaz einen glücklichen Nachfolger; 1876 standen Zimmeter und Lang von JunSbruck, dann Dr. Schnopfhagen mit einem Begleiter ans seinem Rücken,. 1877 Dr. Bogl aus München. Bon 1878 aber sind. 4 Besteigungen zu verzeichnen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. Jänner 1879, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3977-mehrere-schwierige-bergtouren-in-der-umgebung-von-innsbruck-im-jahr-1879).

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