Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TUBERKULOSE-GEWINNT DER NACHFOLGER

Günstige Heilerfolge mit Natron benzoicum-Inhalationen bei Phthisikern an der hiesigen Klinik

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. Oktober 1879 · Seite 4
3028 in bestimmter Zeit an Tuberkulose zu Grunde gingen. Die ersten Mittheilungeu hierüber machte der Entdecker dem medizinischen Vereine zu Greifswald in der Sitzung am 8. Februar 1869, eine kurze Veröffentlichung der Versuche ist im Archiv für experimentale Pathologie von Kleber ( Band XI) erschienen. Diese Überaschenden Ergebnisse mußten Wohl zur Prüfung des Mittels bei an Tuberkulose erkrankten Menschen auffordern. Wirklich hat auch darauf hin, wie Herr Dr. Ferdinand Kroczak, Assistent an der hiesigen medizinischen Klinik, in seiner „vorläufigen Mittheilung über Natron benzoicum - Inhalationen am Krankenbette" in der „ Wiener medizinischen Presse " ausführt, Herr Professor Dr. Rokitansky vom klinischen Standpunkte aus auf seiner hiesigen med. Klinik eine Versuchsreihe mit Inhalationen einer wässerigen öperzentigen Lösung von benzoesaurem Natron bei Phthisikern begonnen, deren günstige Erfolge alle Erwartungen übersteigen. Aus den ersten 15 derart behandelten und klinisch genau beobachteten Versuchsfällen entnimmt der Bericht die drei schwersten als Hauptrepräsentanten, von denen zwei ungemein weit verbreitete lokale Phthisen, der Dritte, eine ebenfalls sehr weit verbreitete Phthise, komplizirt durch ein hochgradiges Pleuraexsudat, war. Diese drei als Beispiele vorderhand angeführten Kranken wurden sämmtlich seinerzeit sozusagen sterbend eingebracht und jetzt dürften dieselben nach erfolgter Heilung der Beobachtung noch längere Zeit zugänglich bleiben.... Von den mit Natron benzoicum - Inhalationen behandelten Kranken ist bisher kein einziger gestorben. Nicht uninteressant ist die Meldung, der „ W. Med. Wochenschrist ", daß die Apotheker in Wien der Nachfrage nach Natwu t > enzoicum kaum genügen önnen, da das Mittel angefangen hat, in den weitesten Kreisen auch ohne ärztkliche Anordnung in Verwendung zu kommen. Ob dies zweckmäßig ist, wollen wir dahingestellt sein lassen. Die erwähnte Fachzeitschrift publizirt nämlich gleichzeitig ein Schreiben des Dr. Kroczak, welcher diese Selbstbehandlung als fragwürdig erscheinen läßt. Dasselbe ist an einen Patienten (Nichtarzt) gerichtet, der, als er in den Tagesblättern von dem neu gefundenen Mittel, Tuberkulose zu heilen, las, sich an denselben wendete und folgenden Wortlaut hat: „ Innsbruck, 24. September. Euer Wohlgeboren! Unser Heilverfahren ist nur unter ärztlicher Kontrole einzuschlagen; briefliche Behandlung unmöglich. Es werden 1 pro wills des Körpergewichtes Natrium benzoicum, zu bperzentiger Lösung verdünnt, auf zweimal täglich, und zwar Früh und Abends mittels eines gut ziehenden Siegle ' schen Pulverisateurs sieben Wochen lang ohne Unterbrechung inhalirt. Dabei reichliche Befriedigung des sich bald regenden Appetitts mit Fleischkost. Frische Luft, Verhütung aller schwächenden Einflüsse. Ein erprobt vorzügliches Präparat liefert O. Klement, Apotheker zur „ heiligen Anna " in Innsbruck. Mit aller Achtung Dr. Kroczak. " Wie wir vernehmen, ist die hiesige Klinik seit der kurzen Zeit, innerhalb welcher die Kunde von
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Oktober 1879, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4069-guenstige-heilerfolge-mit-natron-benzoicum-inhalationen-bei-1879).

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